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H2O
Free Elements IV

Partner:
Grazer Stadtwerke AG, Bereich Wasser
Land Steiermark, Wasserwirtschaft
Schott Glas




Der steirische herbst hat im Jahr 2000 Ecke Bonk, der auch die Wortmarke des Festivals in ihrer neuen, charakteristischen Schreibweise konzipierte, zu einem weiteren Beitrag eingeladen. Unter dem Motto PROTECT FROM ALL ELEMENTS / FREE ELEMENTS wurde eine große Auflage des Periodensystems der Elemente im Scheckkartenformat herausgegeben, wie sie Bonk auf der Biennale von Venedig 1999 ausgestellt hatte (mehr unter: http://www.elemente.at).

Gleichzeitig mit der Edition dieser "creditcard for a universe", die das Periodensystem so bekannt machen sollte wie die Pokèmon, die japanischen Ungeheuer im Taschenformat, wurde auf Anregung von Bonk und mit Unterstützung der Salinen Austria eine Tonne steirisches Bergsalz in Laborgläsern mit dem Aufdruck "NaCl" abgefüllt.
Salz ist für viele Stoffwechselvorgänge in sämtlichen Lebewesen wichtig, Salz hat in allen Kulturen der Welt eine zentrale, ja elementare Bedeutung.
Im 17. Jahrhundert, am Morgen der Naturwissenschaft, stellte es sich als ein Compositum heraus: zusammengesetzt aus dem Gas Chlor und dem Metall Natrium. Aufgrund seiner weitreichenden kulturellen und direkten physiologischen Bedeutung sollte das Salz in die Diskussion um die Elemente und das Elementare mit einbezogen werden.

Nicht anders ist es beim Wasser. Auch das "Element Wasser" spielt innerhalb der starken Wechselwirkungen zwischen Natur und Kultur eine besondere Rolle. Und was seit alters her als ein "Element" angesehen wurde, wurde ebenfalls – gegen Ende des 17. Jahrhunderts – als Compositum erkannt. Das Ur-Element Wasser besteht aus zwei Gasen: Wasserstoff/Hydrogen, dem ersten und einfachsten Element überhaupt, das gleichzeitig als Brennstoff unserer Sterne von größter Bedeutung für den Aufbau unseres Universums ist, und Sauerstoff/Oxygen, dem 4. Gas innerhalb der ersten 8 Elemente.
Gerade an den beiden Beispielen Wasser und Salz lässt sich die Wandelbarkeit unseres Begriffs des Elementaren zeigen. Das "Element" war zudem, wie der "Typosoph" Ecke Bonk betont, nicht immer auf Materie, sondern in seiner Etymologie in erster Linie auf die Bestandteile von Sprache und Schrift, insbesondere auf die Buchstaben bezogen. Buchstaben wurden Elemente genannt, bevor chemisch-materielle Singularitäten darin gesehen wurden. Es sind die Buchstaben, die einzelnen Schriftzeichen, die jeder Vorstellung von Materie vorangehen.
Dies ist nicht nur aus der Symbolsprache des Periodensystems ersichtlich, sondern auch aus einer aktuelleren Entscheidung: Auch die vier Symbole, die zur schrittweisen Beschreibung der Abfolge des genetischen Codes dienen, stammen aus dem Reservoir der 26 Buchstaben: ACGT. Ecke Bonk: "Es sind graphische Zeichen und akustische Signale, mit denen wir uns nicht nur über die Welt verständigen, sondern mit deren Hilfe wir ständig und jederzeit 'Welt' schaffen, d.h. generieren."

Das Projekt "H2O" wurde von Ecke Bonk für den steirischen herbst 2001 in Angriff genommen und mit großzügiger Unterstützung der Grazer Stadtwerke AG/Bereich Wasser, des Landes Steiermark/Wasserwirtschaft und von Schott Glas durchgeführt.
Obwohl schon lange in Planung, hat gerade dieses Projekt mit den Ereignissen seit dem 11. September seine Bedeutung verändert bzw. muss auf vorhandene Akzente und Wertigkeiten des Projektes noch einmal hingewiesen werden.

Ecke Bonk:
"In der ganzen Elemente-Arbeit geht es um eine Aufforderung zu einer der 'Sichtigkeit' verpflichteten Haltung gegenüber 'Welt' und einem daraus folgenden Handlungsbegriff: Rücksicht / Vorsicht / Umsicht / Aussicht / Einsicht / Besichtigung. Es geht in diesem Zusammenhang aber auch um den differenzierten Wechsel von Ausdruck und Eindruck und in diesem Sinn um Ertragen, Erdulden genau so wie um Aufhebung und Hinwegnehmen, kurz: um all das, was in 'Toleranz' steckt.
Wir müssen beginnen zu begreifen, wie fragil und gefährdet menschliche Existenz und alle ihre Manifestationen sind – nicht erst seit dem 11. September 2001, sondern von Anfang an. Alles Menschengemachte, vor allem auch die genetische Sonderstellung der Hominiden selbst, ist (in kosmischen Zusammenhängen) von äußerster Seltenheit und Fragilität."

Die 1000 Liter steirisches Quellwasser ist das Ergebnis von Ecke Bonks Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten und Bedingungen unserer zerbrechlichen Existenz.

Bonk: "Angesichts dieser Fragilität auf der einen und der aktuellen Ereignisse auf der anderen Seite, muss nochmals darauf hingewiesen werden: Es bleibt eigentlich keine Zeit, um Flugzeugträger zu bauen und sie auf den Weltmeeren herumfahren zu lassen. Es bleibt eigentlich keine Zeit, sich fremdenfeindliche Äußerungen einfacher Parteimitglieder anzuhören, denen fahrlässig und gedankenlos in Medien immer wieder Platz gewährt wird. Es bleibt eigentlich keine Zeit für den Hass auf das Fremde.
Wir suchen nach Schutz, bringen aber nur aggressive Schutzmittel hervor, die ausgrenzen, provozieren und spalten. Um dies zu bezeichnen, wurde das FROM in dem Satz PROTECT FROM ALL ELEMENTS gestrichen. Wir müssen jetzt beginnen, Programme zu entwickeln, die jenseits aller Glaubensfragen Einsicht in das, was ist, gewähren, und einen aufmerksamen und differenzierten Umgang mit den verbleibenden Ressourcen in Natur und Kultur gestatten. Nicht "Schutz vor", sondern "Schutz von": PROTECT ALL ELEMENTS."

Das Wasser und Salz können gegen einen Solidaritätsbeitrag von ats 200 / euro 14,53, die Scheckkarte um ats 100 / euro 7,27 im Info- und Kartenbüro sowie bei mehreren Veranstaltungsorten des steirischen herbst bezogen werden. Den Reinerlös werden Ecke Bonk und der steirische herbst dem Integrationshaus Wien zur Verfügung stellen.




Siehe auch:
steirischer herbst Programmbuch 2001, S. 344 – 347

Text vom 10. 10. 2001 © steirischer herbst

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