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Oswalds Job für 2002

Der "steirische herbst 2002" wird Peter Oswalds schwerster. Denn an diesem wird man ihn endgültig messen.

Was der begeisterungsfähige Kulturkämpfer bis dato geboten hat, war nicht wirklich begeisternd. Es waren zwei Saisonen recht unterschiedlicher Prägung.

Bei seinem Debüt im Vorjahr konnte Oswald zum einen auf relativ kurze Vorbereitungszeit verweisen. Was manches verzeihlich machte. Zudem standen ihm Glück und Ungemach janusköpfig zur Seite. Zwei Beispiele: Mit Dejan Dukovskis (schon davor bewährtem) Stück "Das Pulverfass", das in der "herbst"-Inszenierung von Dimiter Gotscheff ein Riesenerfolg wurde. Es wurde in Hamburg bejubelt wird kommende Woche in Prag gezeigt und ist für den Nestroy-Preis nominiert.

Nur Tage später blieb Wolfgang Mitterers hörenswertes Klangprojekt "white foam" matt in den Seilen hängen. Zwei Wochen später scheiterte "OB/SESSION" spektakulär. In beiden Fällen lag die Schuld bei den ausführenden "La Fura dels Baus". Mit einer dermaßen professionellen Welttruppe einzubrechen, ist schon ein bizarres Pech. - Aber immerhin: Oswalds erster "steirischer herbst" war irgendwie im Gespräch.

Heuer verhält es sich ganz anders: Aus verschiedenen Gründen hat der Intendant auf weniger Spektakuläres gesetzt. Er bot sich eher als vierwöchige Abfolge mehr oder minder interessanter Projekte. Klassiker wie Gerhard Rühm und - auf seine Art - Jörg Schlick erwiesen sich als solide. Peter Weibels literarische Umzingelung "Im Buchstabenfeld" fand gemischte Reaktionen, Peter Pakeschs beachtliche Menschenkollektion "Abbild" wurde mit großem Respekt rezensiert. Daneben gab es bildende Kunst en masse, viel Interessantes, nichts Weltbewegendes.

Wenig Fortune hatte man im "herbst"-Theater: Josef Winklers (gestern Abend uraufgeführter) Text "Tintentod" wird vielleicht weiterhin Beachtung finden. Händl Klaus‘ Eigeninszenierung "Ich ersehne die Berge . . ." hätte eigentlich kein "herbst"-Ticket verdient. "Alle Jäger danke" schließlich war ein hübscher, überarbeitungswürdiger Versuch, der manch einen kühl hinterließ.

Beim Symposion "Genpool" gab es Hochinteressantes zu hören. Wie immer aber machen Symposien kein Festival.

Alles in Allem: ein leiser "steirischer herbst", der nicht Geschichte schreiben wird. Dabei wurde brav gearbeitet und vorschriftsmäßig experimentiert. Aber es geht gar nicht um künstlerische Details. Den "steirischen herbst" umweht die auratische Erwartung, er habe zu erregen. Früher meinte man damit: zu provozieren.

Nun ist die Provokation in der Kunst längst eine fagwürdige Dimension. Wozu hätte man denn all die herrlichen Tabus gebrochen, wenn man dann beständig neue ausmachen müsste?! Die Forderung, der "herbst" müsse vor allem jene aufregen, die ihn nur vom Zaun aus verfolgen, ist lächerlich.

Bleibt das eigentliche Publikum. Und dieses hat in diesem Festival aufregende Ur- und Erstaufführungen von Pasolini, Canetti, Bernhard, Mitterer, Turrini u. v. a. erlebt, hat Musik von Ligeti, Scelsi, Anderson genossen, Klangfirmamente von Bill Fontana oder Maschinenkämpfe der SRL bestaunt. Etc. etc.

Dieses Publikum will wieder erobert werden. Mit Qualität, die Aufsehen erregt, Diskurs entfacht. Eine Qualität, die den "steirischen herbst" in den Fluss der öffentlichen, nicht bloß veröffentlichten Meinung zurückträgt.

Das ist Peter Oswalds vorrangiger Job für 2002.

Frido Hütter

erschienen in:
Kleine Zeitung, 1. 11. 2001
http://www.kleinezeitung.at

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