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Josef Winklers szenische Befragung

Der Kärntner Josef Winkler gilt als einer der bedeutendsten Autoren des deutschen Sprachraums. Mit seinem ersten Theaterstück "Tintentod" dürfte er jetzt auch den Sprung auf die Theaterbühne geschafft haben.


Der 48-jährige Kärntner hat bereits mehrere erfolgreiche Bücher geschrieben, in denen er die bäuerlich-katholische Welt Kärntens und die Qualen und Verletzungen der eigenen Kindheit beschreibt. Seine Geschichten kreisen dabei um die Themen Bigotterie, Homosexualität, Vergänglichkeit und Tod.

Auch das Literarische Quartett ist begeistert

Seine jüngste Novelle "natura morta" wurde von den strengen Kritikern des Literarischen Quartetts als Meisterwerk bejubelt.

Eine Collage von Prosafragmenten

Mit "Tintentod" hat Josef Winkler nun sein Debüt als Bühnenautor gegeben. Das Stück, das gestern im Rahmen des steirischen herbstes in Graz uraufgeführt wurde, basiert zum einen auf einem schriftlich geführten Interview, das ein Germanist mit Winkler geführt hat. Daneben hat sich Regisseurin Tina Lanik auch noch weiterer Prosatexte des Autors bedient.

Der Text ist damit eher eine Collage von kleinen Prosafragmenten, so Winkler:
"Es ist kein Drama, es ist auch kein klassisches Theaterstück im eigentlichen Sinn. Es trägt ja auch den Untertitel 'Eine szenische Befragung'."

111 Fragen und Antworten

111 Fragen hat der Klagenfurter Germanist Klaus Amann dem Kärntner Autor zu dessen Leben und Werk gestellt. Ebenso viele, von präziser Fremd- und Selbstbeobachtung geleitete, detailreiche Antworten hat ihm Winkler darauf gegeben. In der Grazer Inszenierung fügen sich diese biografischen Bruchstücke in Form eines großteils szenischen Monologes zu einer Lebensskizze zusammen.

Von Lustgefühlen und Karl May

Winkler beschwört darin einmal mehr die Leiden des Pubertierenden in einer katholisch-verzopften Welt. Es geht um autoritäre Väter, um Lustgefühle bei heimlichen Kinobesuchen, Winklers Lieblingsautor Karl May und Sexualität.

Gute Inszenierung...

Der jungen, in Wien tätigen Regisseurin Tina Link gelang es bei ihrer Inszenierung sehr gut, in dieser Flut an Erinnerungsbildern auch den Witz und die analytische Schärfe der Sprache Winklers nicht zu kurz kommen zu lassen.

...und gutes Schauspiel

Adrian Furrer, der die Hauptfigur gibt, ist zwar sprachlich nicht immer präzise, körperlich aber enorm präsent. Er interpretiert seine Rolle als unsicheren, menschenscheuen jungen Mann, der zwischen dem bestimmten Ernst eines strengen Analytikers und der Lächerlichkeit eines "Landneurotikers" balanciert.

Josef Winklers "Tintentod" ist noch am 3. und 4. November - jeweils um 20.00 Uhr - auf der Probebühne am Grazer Schauspielhaus zu sehen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 0316/81 60 70.

erschienen in:
ORF ON Steiermark, 1. 11. 2001
http://steiermark.orf.at

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