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Puppen, Wodka und Phallusprothesen

Der "Russland-Salon", ein weiteres "herbst"-Bühnenwerk, wechselte aus dem Mürztal in den Wiener Rabenhof. Mit weniger Texttapeten.

Höllische Familienidyllen liegen beim Autorentheater gut im Trend. Eine davon produzierte Robert Wolf mit seinem"Russland-Salon", entstanden als Co-Produktion von "steirischem herbst" und Wiener Rabenhoftheater, wo das Stück nach der einmaligen Aufführung in der "muerz werkstatt" nun einige Zeit präsentiert wird. Für junge Regisseure wie Georg Staudacher sind solche Texte ein gefundenes Fressen. Mit Lust an der Freud‘inszenieren sie daraus vorzugsweise schrille Kammerspiele, deren Requisiten immer aus der stilistischen Grausligkeitskiste zu stammen scheinen.

Dabei hatte das Wiener Premierenpublikum ja noch Glück im Gegensatz zu den Gästen der Uraufführung in Mürzzuschlag. Die mussten zwei Stunden dem Palaver vom nicht sterben wollenden Papa, einem Germanisten und Dostojewski-Freak und dessen erbgierigem Nachwuchs samt meschuggener Haushälterin, beiwohnen. Im Wiener Rabenhoftheater gab es die um zehn Minuten gestraffte Version zu sehen.

Die missratenen Gören versuchen also, dem mit Russenpelzmütze und Penisprothese versehenen Vater ein Testament abzuringen. Irgendwann stirbt er wirklich und die Tochter als raffiniertere der Kinder, hat schließlich alles geerbt. Umbau, statt des Ramschzimmers von vorhin mit Matjoschka-Puppen, Buchattrappen und Wodkaflaschen gibt es jetzt eine Fototapete mit Strandambiente. Die Tochter, um Jahre gealtert, räsonniert über ihr Leben. Der Bruder in Frauenkleidung (jetzt ist er ihr Sohn, vom Papi gezeugt), und die Hausdame sind auch dabei. In einem Bräunungsapparat liegt Ötzi-artig der tote Papa. Der leibhaftige Herr Professor tritt am Ende in Beachboy-Kleidung dazu, alle entkommen einander wohl nicht.

Es geht um elterliche Demütigung, Inzest, sexuellen Missbrauch, Abhängigkeit, Heuchelei. Das Stück ist vermutlich als Farce gemeint, aber dafür fehlt dem Ganzen der gewisse Tiefgang. Auch dramaturgisch fehlt eine präzise Zeichnung der Rollen, nur bösartig, gerissen oder dämlich zu sein, ist zu wenig.

Zur Ehrenrettung des Grazers Robert Wolf, in Deutschland als "Shootingstar" hoch im Kurs, sei gesagt, dass sein Text vermutlich besser ist als das, was in dieser flachen Inszenierung heraus kommt. Und Wolf hat immerhin die Chance, dass sein Stück im Hamburger Thalia- theater seine nächste, hoffentlich bessere Deutung erfahren wird.

Barbara Freitag Der "Russland-Salon", ein weiteres "herbst"-Bühnenwerk, wechselte aus dem Mürztal in den Wiener Rabenhof. Mit weniger T

erschienen in:
Kleine Zeitung, 31.10.2001
kleinezeitung.at

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