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Darstellende Geometrie, bewegt
Jörg Schlicks Ballett "Ein Bild und sein Schatten" beim "herbst"

Graz - An 19 Veranstaltungsorten - in Museen, Galerien, diversen Lokalitäten und im Theater - präsentiert der steirische herbst unter dem Titel Gleich scheuen Hirschen in Wäldern versteckt zu leben Arbeiten des 1951 geborenen, steirischen bildenden Künstlers, Komponisten und Sängers Jörg Schlick. Darunter auch das als Ballett bezeichnete Ein Bild und sein Schatten: kein Ballett im herkömmlichen Sinn, sondern eine "One-Man-Performance", Schlicks einzige Choreographie.

1985 entstanden als Der Krieger, zur den Rhythmus des Techno-Sounds vorwegnehmenden Komposition von Schlick und Andi Breit, war dieses Stück Programmteil einer vom damaligen Intendanten des steirischen herbstes, Peter Vujica (dem nun die Neuinszenierung gewidmet ist), organisierten New Yorker Gastspielserie heimischer Künstler und wurde auch in Grita Insams Wiener Modern Art Galerie präsentiert.

Heute interpretiert Georg Blaschke, selbst Choreograph und vielseitig beschäftigter Tänzer, die vier Sätze dieser sich an Schlicks seriellen Bildkonzepten orientierenden Performance. Lisa D. hat den Interpreten in Weiß gekleidet, dessen Gelenke mit zylindrischen Formen verlängert und ihm einen Dreispitz auf den Nacken gesetzt.

Dass Schlick von Oskar Schlemmers Ende der 20er-Jahre entstandenen, abstrakten Bauhaustänzen inspiriert wurde, ist offensichtlich. Auch hier steht der Tänzer in Beziehung zum geometrisch definierten Raum und ist es ihm untersagt, expressiven Ausdruck walten zu lassen. Dennoch: Anders ist die Bewegung, die zwischen den Posen organisch fließt und doch in einen streng abgezirkelten Rahmen gebannt ist.

Schon durch die jedem Satz zugeordneten, auf den Hintergrund und auf den Tänzerkörper projizierten farbigen Motive ändert sich der visuelle Eindruck. Von Satz zu Satz steigert der fast wie in Trance agierende Georg Blaschke seinen Bewegungsradius, entwickelt sich vom anfangs am Stand gestisch Wirkenden zum Fortbewegenden. Er bleibt dennoch nur körperlich einnehmender Träger und Vermittler dessen, was man als darstellende Geometrie bezeichnen könnte. .

Ursula Kneiss

erschienen in:
Der Standard, 31.10.2001
www.derstandard.at

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