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Gemeinsam friert es sich grausamer

Ein einsamer Besuch im "Rußland-Salon" des Rabenhof
Theaters in Wien - fassungsloses Erstarren im bitterkalten
Sarkasmus.

So ein richtiger Ungustl ist Professor Vogel. Rotzt und schlatzt, ist obszön, gemein und quält seine Kinder bis zum nervlichen Break-Down. Herzzerreißend einsam kann es sein im bitterkalten "Rußland-Salon". Das Wiener Rabenhof-Theater zeigt seit Sonntag diese monströse Familiensatire des Grazers Robert Wolf, Mitte Oktober erst im Kunsthaus Mürz uraufgeführt.

Die Jagd nach dem Testament des siechenden, Rußland-besessenen Misanthropen (glaubhaft widerlich gespielt von Rainer Frieb) artet zu einem brutalen Kampf aus, dem rücksichtslos alles geopfert wird. Fassungslos starrt man in aufgerissene Abgründe mißbrauchter Seelen. Vogel machte aus seinen Kindern psychische Wracks, willenlose Marionetten, die sich gegen ihn und hintertückisch auch gegen einander wenden. Kathrin Beck als eiskalte Tochter Sonja stach durch exaktes Spiel hervor, Simon Hatzl beunruhigte als Sohn Hektor.

Ungläubiges Erstarren wechselte sich in den zwei Stunden mit hysterischem Mitlachen ab. Ein aufrüttelndes Stück, das durch einige Längen gestört, mit einem überzeugenden Schluß ausgestattet ist, der alptraumhafte Qualitäten besitzt.

Ein Gefühl wahrer sibirischer Einsamkeit schwappte jedenfalls bei der Vorstellung am Montag in den Zuschauerraum des Rabenhofs: Nur 16 Zuschauer verloren sich in dem 299 Plätze fassenden Raum. Angeblich der Fluch der ersten Aufführung nach der Premiere. Eine Gruppe aus dem Rabenhof-Gemeindebau, die Freikarten bekommen hatte, nörgelte: "Würd'st für so was Geld ausgeben?" - "Na, kan Schilling". Für die nächsten sechzehn Aufführungen ist den Schauspielern mehr Applaus zu wünschen - denn der Abend ist jeden Schilling wert.

erschienen in:
Die Presse, 31.10.2001
www.diepresse.com

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