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Genauer Erzähler
Josef Winklers Werk kreist um die Aufarbeitung seiner bäuerlichen Kindheit

Josef Winkler wurde 1953 in Kamering bei Paternion geboren. Im Alter von 17 Jahren trat Winkler in den Bürodienst der Oberkärntner Molkerei. Um seine Ausbildung abzuschließen, arbeitete er in einem Verlag sowie später in der Verwaltung der Klagenfurter Universität. Seit 1982 lebt Winkler als freier Schriftsteller in Italien und Kärnten.

Kärntner Kindheit Winklers autobiografische Romane wurden von der Kritik zunächst als Nachzügler der langen Tradition kritischer Heimatliteratur rezipiert. Seine Trilogie "Das wilde Kärnten" - so der Gesamttitel der Taschenbuch-Ausgabe seiner ersten drei Romane "Menschenkind", "Der Ackermann aus Kärnten" und "Muttersprache" - wurde als Wiederholung dessen verstanden, was Franz Innerhofer in "Schöne Tage" schon geleistet hätte: Als Darstellung der beschädigten Kindheit auf dem Lande und damit Entlarvung der in der vermeintlich heilen Provinz herrschenden Unterdrückungsmechanismen.

Kirche, Sex und Tod

Mit seinen Arbeiten bewegt sich Winkler im Spannungsfeld von Katholizismus, Sexualität und Tod. Er sei in einem katholischen Kärntner Dorf aufgewachsen, sagt Winkler von sich selbst und seit seinem sechsten Lebensjahr Ministrant gewesen. Da habe er an jeder Hochzeit und jedem Begräbnis im Ort teilgenommen. Das prägt. Auch auf dem Bauernhof seiner Eltern war der Tod gegenwärtig: "Beim Erschießen eines Schweins habe ich mich immer in meinem Zimmer unter dem Bett verkrochen und bin erst hervorgekommen, nachdem der Schuss gefallen ist", sagte Winkler. Diese Motive würden nun, nach Jahrzehnten, wiederkehren.

Vorbild Jean Genet

"Friedhof der bitteren Orangen", eine Huldigung an Jean Genet, schildert autobiografisch eine homosexuelle Odyssee durch Neapel. Mit dem Roman "Das Zöglingsheft des Jean Genet" hat Josef Winkler außerdem eine Liebeserklärung an sein Vorbild geschrieben. 1996 veröffentlichte Winkler den Roman "Domra. Am Ufer des Ganges", der 1998 zusammen mit Elfriede Jelineks "Sportstück" für den europäischen Literaturpreis Aristeion nominiert war. 1998 erschien die Erzählung "Wenn es soweit ist". Für sein jüngstes Werk, die Novelle "Natura morta" erhielt Winkler den Alfred-Döblin-Preis.

erschienen in:
ORF on, 30.10.2001
www.orf.at

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