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Selbsterforschung...oder die Leidenschaft fürs Kino
Mit "Tintentod" betritt Josef Winkler erstmals die Bühne.

Auf die Suche nach dem Ich, nach der Situation des Subjekts, macht sich das Festival "steirischer herbst" in diesem Jahr. Das ist ein durchaus passender Rahmen für die Schauspielpremiere des österreichischen Autors Josef Winkler. Die Aufarbeitung seiner katholisch-bäuerlich geprägten Kindheit zieht sich durch das Werk des Kärntner Autors wie ein roter Faden. So auch in "Tintentod", das am Mittwoch uraufgeführt wird.

Es ist ein interessantes Theaterexperiment, das der steirische Herbst da in Angriff nimmt. Josef Winkler steht der dramatischen Kunst nach eigenem Bekunden eher fern. Sein Text mit dem Titel "Tintentod" ist auch eher ein Interview, eine dramatische Collage, und kein Theaterstück. Winkler selbst nennt es im Untertitel "Eine szenische Befragung".

Der Klagenfurter Germanist Klaus Amann hat dem Dichter Josef Winkler 111 Fragen gestellt. Winkler beantwortet sie in diesem Bühnendialog in 111 funkelnden kleinen Prosafragmenten. IhrInhalt reicht von Winklers Erinnerungen an seine dumpf-katholische Kindheit im Bauernmilieu des Kärntner Drautals bis hin zu seinen bisexuellen und todessüchtigen Neigungen.

Furioser Text Winkler schwelgt in Reminiszenzen an seine Kindheit in den 50er und 60er Jahren, an den Geruch der Chrysanthemen seiner Kärntner Heimatgemeinde, an den Geschmack fetter Schweinswürste und Lebkuchenkrampussen in der Weihnachtszeit, an seine pubertäre Karl-May-Lektüre und an seine Begeisterung fürs Kino. Unter anderem beschreibt er, wie er das Geburtsdatum seines Schülerausweises mit einem solchen fälschte, um sich in den Villacher Kinos die Jugendverbots-Filme mit Christopher Lee, Boris Karloff oder Klaus Kinski ansehen zu können.

Diese Leidenschaft ist geblieben. Auch heute noch geht Josef Winkler mehrmals pro Woche ins Kino und bekennt, bei besonders rührenden Stellen stets weinen zu müssen. Am 31. Oktober wird er ins Theater gehen. Da steht auf der Probebühne des Grazer Schauspielhauses die Uraufführung seiner szenischen Befragung "Tintentod" auf dem Programm.

erschienen in:
ORF on, 30.10.2001
www.orf.at

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