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LITERATURSYMPOSION: Wie Gedichte im Mund entstehen


Graz. - Der Lautpoet Valeri Scherstjanoi, der seit 1979 in Deutschland lebt und Deutsch schreibt, verneigte sich am zweiten Tag des Literatursymposions "Am Anfang war der Laut" im forum stadtpark vor dem im Vorjahr verstorbenen Ernst Jandl. In seiner Hommage erinnerte er sich an eine Begegnung mit dem Dichter 1983: "Sogar in der DDR kam es zum Jandeln."

Wie der Laut ins Erzählen kommt und "wie das Ich in diese Lautparolen beißt". Geschichten "von den Anfängen des Lauts, von den Leer- und Totläufen des Lauts" ließen Spannung aufkommen. Faszinierend der epische Gesang "Sag mir, Muse. Ein Text" mit "Odyssee"-Bezug von Barbara Köhler. Für ein Ich, das "Niemandbild" ist, "das ich eben ,ich‘ nennt". Doch: "Ich ist Textur", ist "Papier, vom anderen geschrieben".

Vom Laut-Geben als Kommunizieren zwischen Mensch und Tier erzählte Händl Klaus. Reinhard Jirgels Text "Die atlantische Mauer" erzählte von einem Serienmörder im Knast und vom Fluch, heutzutage sensibel zu sein. Die Performerin Beth Lisick brachte Geschichtchen vom Schlag "Nice is easy".

Der Abend sollte Wolfgang Bauer gehören, der aber krankheitshalber absagen musste. Scherstjanoi sprang ein und führte furios vor, wie ein Lautgedicht im Mund entsteht. Abschließend stellte Birgit Kempker live ein Selbstverhör als Textinstallation in den Raum und forderte auf: "Leg‘ dich mit dem Ohr an den Satz!"

Gisela Bartens

erschienen in:
Kleine Zeitung, 28. 10. 2001
http://www.kleinezeitung.at

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