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Nehmen Sie Platz, prosim!

"Machen Sie mir dieses Land wieder . . .": kritisch-künstlerische Aus-einandersetzung mit Veränderungen der Region Steiermark-Stajerska.

"Machen Sie mir dieses Land wieder deutsch!", sagte Adolf Hitler 1941 in Marburg. "Machen Sie mir dieses Land wieder kapitalistisch bzw. marktkonform", sind abgewandelte Titel von Hans Georg Zilian und Andrea Haberl-Zemljic, die den theoretischen Überbau für eine künstlerische Auseinandersetzung liefern und darin "den Imperativ einer allgemeinen Rhetorik und der zugehörigen Weltsicht" (so de Soziologe Zilian) sehen. Und da es schwierig sei, eine adäquate Analyse der sozialen Realität zu liefern, erscheine es schlüssig, sich der modernen Kunst zu bedienen, meint Zilian weiter.

Eine grenzüberschreitende Doppelausstellung des "steirischen herbstes" versucht es: Die Arbeiten österreichischer Künstler dazu sind im KIBLA Multimedia Center in Marburg, jene slowenischer, tschechischer und russischer Künstler im Pavel-Haus in Laafeld zu sehen.

Beeindruckend die (in der Schau dokumentierte) Aktion von Erwin Posarnig "Bitte haltet Artikel 13 (2) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein". Kernsatz: "Jeder Mensch hat das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen sowie in sein Land zurückzukehren."

Eine EU-Fahne, ein Kunststoffband mit dem Aufdruck "Sperrzone" und blausamtene Pölster mit dem Wort "bitte" in den Sprachen jener Länder, die sich um Aufnahme in die EU beworben haben, ergänzen die verständliche Symbolsprache.

Klaus Schafler gestaltete ein (nur) vordergründig harmloses Video über "Slowenien an der Schwelle zur herbei gesehnten Folge-Zeit?". Mit Meerwasser und Speiseeis wird darin die Frage nach "salzig, süß" (so der Titel) eben jener Folgen gestellt. Fotos bzw. Dias zur Grenzsituation und zu Klischees über das Fremde ("Krsko" als symptomatischer Negativbegriff) sind von Walter Seidl, Anton Lederer und Margarethe Makovec, G.R.A.M. und ILA zu sehen. Mit der Fotoserie "Die Torte meiner Mutter" erzählt Leo Hainzl die sehr persönliche Geschichte des (gescheiterten) Traums vom Auswandern.

Dass die Darstellung gesellschaftlicher Komplexität in Kunstwerken immer nur Annäherung sein kann, schmälert nicht den Wert des Unternehmens.

Eva Maria Schulz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 24.10.2001
www.kleinezeitung.at

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