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Cowboys und Hirschgeweih
"Alle Jäger danke" beim steirischen herbst

Graz - Auf der Bühne lagert ein überdimensionaler Zuckerwürfel, ein White Cube aus Styropor: blaues Licht, langsame Klänge, das Rotieren von Hubschrauberblättern. Im Dämmern: sechs Cowboys im Jäger-Look, zeitlupenlangsam die Bühne enternd - Schüsse, Pfiffe, Comicwelt.

"Die Vorstellung ist vorbei", heißt es am Anfang. Wir sollen verstehen: Die Vorstellung nach der Vorstellung ist das bunte Leben, auf dessen Spuren sich Alle Jäger danke begeben will. Die zweite Theaterpremiere des steirischen herbstes ist eine Koproduktion zweier freier Gruppen, des Grazer Theaters im Bahnhof und des Basler KLARA. Mit sechs Darstellern (Jo Dunkel, Anna Geering, Monika Klengel, Helmut Köpping, Dominique Rust, Martina Zinner) erarbeitete Regisseur Christoph Frick die Szenenfolge zum Thema - ja, welchem? "Ein theatralisches Experiment zum Verhältnis von Individuum und Öffentlichkeit: eine Ich-Jagd", laut Untertitel.

Was weiter nicht interessieren muss - seine besten Momente hat der Abend immer dann, wenn die Szenen sich fernab erkennbarer inhaltlicher Anstrengungen im bunten Chaos des theatralischen Augenblicks tummeln. Vergnügliche Momente bietet das hochmotivierte Ensemble dann, und an den Kriterien des mittellosen Off-Theaters gemessen zählte die Produktion zu den Lichtblicken der regionalen Szene.

Ein Avantgardefestival jedoch, das sich über den Stadtrand von Graz hinaus Interesse erhofft (und dafür satte Geldsummen zur Verfügung hat), spielt in einer anderen Kunstliga. Und will man in der Fußballmetaphorik verharren, ist Graz heuer theatralisch auf Abstieg programmiert. Dort, wo Christoph Schlingensief mit seinem aufsehenerregenden Hurra Jesus daranging, erstmals die Schmerzgrenzen des Theaters auszuloten, wo im vergangenen Jahr noch der Kanadier Robert Lepage zeigte, was Theater sein kann, scheint man heuer an ästhetischer Befragung der Kunstform Theater komplett desinteressiert. Sparwille oder Unkenntnis - das bisherige Theaterprogramm des steirischen herbstes zeugt von der Gleichgültigkeit des Intendanten für alle Sparten jenseits der Musik.

Cornelia Niedermeier

erschienen in:
Der Standard, 23.10.2001
www.derstandard.at

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