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Ramsch- und RauschgmbH

Tief im Grazer Schloßberg-Stollen bohrt sich "Alle Jäger danke" durch die Fabrikation des Lebens: Anarcho-Spaß im Steirischen Herbst, Marx Brothers lassen grüßen.

Hans Magnus Enzensberger prägte vor rund 50 Jahren den Begriff der "Bewußtseinsdeformationen" und bezog sich damals auf die modernen Massenmedien. Inzwischen nahmen die Verformungen zu. Das Leben ist ein einziger Baumarkt. Verdinglichte Werte hämmern durch die Köpfe bei der Jagd nach Bastelanleitungen für das Ich.

Mitten durch die hohlen Gassen eines Heimwerkerhauses führt "Alle Jäger danke", eine Koproduktion der Off- Theater"Klara" (Basel) und des Grazer "Theater im Bahnhof". Der Dom im Berg wird zur Höhle einer Ramsch- und Rauschgesellschaft. Vorbei ist die bierernste Tradition der Kritischen Theorie. Bei den Jungaktivisten ist Gruppendynamik als Impuls für ungebremstes Spiel angesagt. Mit bizarrer Volkstümlichkeit (auf der Styroporbühne von Clarissa Herbst fehlt neben Leitungsrohren und Kabelsalat nicht der röhrende Hirsch) und bei den Marx Brothers entlehnten Anarcho-Späßen inszeniert Christoph Frick eine Fabrikationsshow des Lebens. "Mann" läßt die Pyjamahose runter. Das Publikum soll provoziert werden. Aber die Zeiten von Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung" sind Theatergeschichte.

Sensationskonsum stumpfte ab. Also verpacken die sechs Akteure Althergebrachtes in locker sitzende Komik. Das kommt an, sorgt selbst in depressiven Momenten für Spaß. Auch wenn's ebenfalls nichts Neues ist. Schon Dürrenmatt meinte, das Tragische könne nur durch die Komödie ausgedrückt werden.

Elisabeth Willgruber

erschienen in:
Die Presse, 22.10.2001
www.diepresse.com

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