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Millionenschaden nach Zehenbruch

Beim "steirischen herbst" muss man naturgemäß mit vielem rechnen. Die Aktion Samstagnacht im Grazer Landesmuseum Joanneum war aber mit Sicherheit nicht geplant. Bei der Kunstnacht "not.tour.no" kam es zwischen 22.10 und 22.36 Uhr zu einem Vandalenakt: Eine millionenschwere Skulptur war aus der Halterung gerissen und auf dem Boden abgestellt worden - sie wurde schwer beschädigt.

Als der Wachmann des Österreichischen Wachdienstes von seinem 15-minütigen Rundgang zurückkehrte, fiel ihm das Schlamassel sofort auf. Die 90 Zentimeter große Kunstharzfigur des italienischen Künstlers Mauricio Cattelan mit dem Titel "La rivoluzione siamo noi" (Die Revolution sind wir) war ursprünglich an einer Metallgarderobe - im Sinne des Künstlers - ganz unscheinbar im Bereich des Stiegenhauses befestigt gewesen. Doch jetzt stand sie plötzlich auf dem Boden: Vier Zehen des rechten Fußes waren abgebrochen, am linken Fuß einer angeknackst.

Dass jemand versucht hatte, die Skulptur zu stehlen, glaubt"herbst"-Sprecher Dietmar Seiler nicht: "Das wäre viel zu auffällig gewesen." Er vermutet einen Vandalenakt, "da wollte scheinbar jemand lustig sein". Doch der Scherz kommt teuer zu stehen: Die Figur ist nämlich auf 1,4 Millionen Schilling versichert. Ob es möglich sein wird, neue Zehen anzubringen, steht noch nicht fest.

Maurizio Cattelan musste bereits einmal einen "Anschlag" auf eines seiner Kunstwerke hinnehmen. "Vor etwa zwei Jahren", weiß Seiler, "wurde eines seiner Werke in Polen zerstört - es zeigte den Papst, der von einem Meteoriten getroffen worden war." Anders als damals gilt die Skulptur im Joanneum allerdings als "in keinster Weise provozierend".

Peinlich sei es allemal, denn immerhin war Cattelans Werk eine Leihgabe des Zürcher migros museums. Aber wenn jemand so etwas vorhabe, so Seiler, "kann kein Museum der Welt etwas dagegen unternehmen".

Die Kriminalpolizei wertet jetzt die Bilder der Überwachungskameras aus. Zum Zeitpunkt des Vandalenaktes befanden sich etwa 50 Besucher in den Ausstellungsräumen.

Robert Preis

erschienen in:
Kleine Zeitung, 22.10.2001
www.kleinezeitung.at

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