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Manche Jäger bitte

"Bin ich vielleicht Old Shatterhand im Swinger Club?" Vielleicht. Vielleicht nicht. Denn das ist nur eine Frage, die dieser Theaterabend stellt und nicht beantwortet. Was kein Problem wäre, Theater muss, soll keine Antworten geben. Dafür wurde das Millionen-Quiz erfunden. Aber Theater soll, muss intelligente Fragen stellen. Und die vermisst man 80 Minuten lang schmerzlich. "Eine Art Ich-Jagd" lautet der Untertitel. Wie verräterisch."Eine Art" ist nicht selten Hinweis darauf, dass sich der Künstler nicht festlegen will, weil er auf nichts gestoßen ist, das halbwegs festzulegen wäre. "Materialien zur" oder"Versuch über" sind publizistische Geschwister. Manchmal kommt Fassbares heraus, manchmal nicht.

Macht nix, man hat es ja schon angedeutet Die nämliche Produktion hat ein Defizit: ihr fehlt der Regisseur. Der heißt zwar Christoph Frick, wird darüber hinaus aber nicht auffällig. Es ist, als habe er die sechs hoch begabten Schauspieler des Basler Klara-Theaters und des Grazer TiB weitgehend sich selbst überlassen. Und sie nahmen die Chance auf Unterforderung freudig auf.

Styropor. Ganz zu Beginn gilt es, eine Wand aus Styropor-Elementen auseinander zu nehmen. Wenn man weiß, wie hübsch der Widerspruch aus optischer Masse und geringstem Gewicht aufzulösen wäre, gähnt man unvermeidlich. Die Handlung schleppt sich in einen allzu kurzen Mittelteil, in dem plötzlich Theater aufkommt: Der gezielt unkoordinierte Zusammenbau eines Ikea-Regals, die Beschwörung der Bulthaup-Küche und das grell zelebrierte Unverstehen zweier Figuren sind köstlich. Ebenso Monika Klengels Ich-Revue und Helmut Köppings Zustands-Diagnose. Manche Jäger Bitte. Man ahnt, welches Potenzial ungenützt bleibt.

Danach geht es wieder ab, in eine missglückte Mischung aus Ionesco, Marx Brothers und Ravenhill. Bedeutsame Andeutungen, deren Bedeutung sich nicht erschließt, Witz, der nicht komisch ist, Vulgarität, die niemanden verletzt. Und eine finale Karaoke-Szene bleibt völlig unschlüssig.

Das Stück ist in einem Zustand, bei dem man, zwei Wochen vor der Uraufführung, sagen müsste: Alle Jäger Danke. Zurück auf Anfang. Wir müssen da einiges reparieren. Selbiges hätte schon für Händl Klaus‘ "Ich ersehne die Alpen gegolten. Doch der "steirische herbst" nimmt offenbar seine Rolle als Versuchslabor so ernst, dass er darauf besteht, vor Publikum zu proben. Und wenn dieses, wie Freitagabend, noch freundlichen Applaus spendet, könnte man glatt glauben, die Methode wäre richtig.

Frido Hütter

erschienen in:
Kleine Zeitung, 21.10.2001
www.kleinezeitung.at

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