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Wenn aus Texten Musik wird

Graz - Der Langzeit-Avantgardist und Kunstgrenzgänger Gerhard Rühm wurde heuer zu einer Galionsfigur des steirischen herbst. Zwischen seiner Eröffnungsrede und seinem Chansonabend zum Schluss und neben der Parallelaktion einer Bildkunst, Poesie und Musik "beziehungsweise" ansprechenden Ausstellung gab es ein Konzert, das seine Technik der Transformation literarischer Texte zu Musik offenbarte.

An diesem Abend in der "Generalmusikdirektion" war das Wirken einer zwischen augenzwinkernder Eulenspiegelei und faustischem Suchen changierenden Persönlichkeit zu erfahren. Wie werden aus Buchstaben Noten, aus gesprochenen Worten Klänge? Wenn es wahr ist, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, gilt auch der Umkehrschluss, dass die Teile weniger sind als die Differenzen vom Ganzen

Wie aber, wenn die "transformierten" Teile wieder zu einem Ganzen zusammengefügt werden? Und wie verhält sich dieses zur Semantik des vormaligen? Das will untersucht sein. Das schon vor 13 Jahren entstandene Wiegenlied für schlaflose Nächte wurde in erweiterter Form mit Diaschau uraufgeführt. Die Umwandlung eines Textes über das Einschlafen zu einem Klavierstück hatte wirklich eine einschläfernde Wirkung.

Scherzo der Programmfolge war die Schwellenchronik der Jahrtausendwende, ein von Rühm selbst und Monika Lichtenfeld im Duett-Fugato vorgetragener Sprechtext ausgewählter Zeitungsberichte. Die Texte sind teils witzig-ironisch, teils auch jetzt aktuell, wie etwa der Bericht über die Landung eines entführten Flugzeugs in Kabul. Das Schlussstück Aus den letzten Tagen Gotamo Buddhos machte deutlich, dass mit der fast automatischen Technik der Textumwandlung in Musik eine Spiritualität zu erreichen ist, die an tibetanische Tempelriten denken lässt.

(blum)

erschienen in:
Der Standard, 20. 10. 2001
http://www.derstandard.at

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