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Realpolitik als Faktor ästhetischer Formen

"Farbe bekennen" heißt es ab heute am Fuße des Kulm. Es geht um Kunst und Gesellschaft. In Theorie und Praxis.


Es begann mit Workshops, in denen der Maler und Farbtheoretiker Raimer Jochims, die Künstlerin Sabina Hörtner, die Künstlerin und Anthropologin Katarina Matiasek und der Künstler und Kunsttheoretiker Wolfgang Zinggl dem Thema des diesjährigen K.U.L.M.-Schwerpunkts nachgingen: "Farbe bekennen".

Und auch ein faszinierender Leseabend, an dem das oststeirische Pischelsdorf zum Zentrum russischer Lyrik mutierte, stand im Zeichen der Erfahrungen mit dem genannten Motto - im Sinne des Beziehens einer künstlerischen Position: Fünf Moskauer Dichter präsentierten drei Generationen einer "anderen", ehemals "nicht offiziellen" russischen Dichtung: Alt- meister Gennadij Ajgi, 67, Olga Sedakova, 52, "Erzkonzeptualist" Lev Rubinstein, 54, Timur Kibirov und Julij Gugolev, beide 37.

Alternativen. Rubinstein, einer der wichtigsten Vertreter des Moskauer Konzeptualismus, zeigte auch auf, dass es manchmal paradoxerweise schwierige Situationen erleichtern, Farbe zu bekennen: "Alle hier anwesenden Autoren werden heute in Russland veröffentlicht, gelesen und sind mittlerweile auch sehr bekannt. Ein neuer Mainstream ist in Bildung begriffen, es formiert sich eine neue kommerzielle Massenliteratur. Sie muss existieren, dann kann es wieder eine neue, eine andere Literatur geben."

Tatsächlich eröffnet wird der diesjährige K.U.L.M.-Beitrag zum "steirischen herbst" - der an die hintersinnige Frage "Wer brennt für die Kunst?" im Vorjahr anknüpft - heute. Mit der Ausstellung "Farbe bekennen".

Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten - darunter K.U.L.M.-Motor Richard Frankenberger, Josef Fürpass, Willi Hengstler, Klaus Schafler und Irmgard Schaumberger - versuchen die Positionierung ihrer Arbeit in einem Raum, der nicht nur ästhetisch, sondern wesentlich auch gesellschaftlich und ökonomisch definiert ist.

Dieser Definition ist am 26. Oktober - das hat bereits Tradition in Pischelsdorf - das K.U.L.M.-Symposion gewidmet. Unter der Moderation von Georg Schöllhammer wollen die Autorin Margret Kreidl sowie die "Workshopper" Matiasek, Zinggl und Jochims mit dem Publikum Macht und Ohnmacht von Kunst im realpolitischen Umfeld diskutieren.

Eine "Kunstform", die von realpolitischen Rahmenbedingungen ganz besonders abhängig ist und von diesen allzu oft stark deformiert wird, steht im Zentrum der "baustelle land". Die Architekten Peter Pretterhofer und Reinhold Schafler nehmen sich in diesem langfristig angelegten Projekt des heiklen Themas "Zeitgenössisches Bauen im ländlichen Raum" an.

Vorerst sollen acht bereits ausgeführte Projekte - Rüsthaus Unterpremstätten (Architekt Christian Andexer), Ordination Doppelhofer, Neudau (Wolfgang Feyferlik), Wohnbau Gut Hornegg, Preding (Hans Gangoly), Wohnbau St. Martin am Wöllmißberg (Josef Hohensinn), Volksschule und Mehrzweckhalle Dobl (Leitner/Pretterhofer/Simbeni), Freizeitanlage Stallhofen (Gerhard Mitterberger), Holzindustrie Schafler (Reinhard Schafler) und Hauptplatz Fernitz (Hubert Wolfschwenger) - zeigen, dass neue Architektur selbstbewusst auch abseits der Städte Gestalt annehmen und sich dennoch rücksichtsvoll in Ortsbilder einfügen kann.

Überzeugungsarbeit. Ein 45-Minuten-Film zum Thema (Regie: Klaus Schafler) wird seine Premiere erleben. Danach soll er als anschauliches Informationsmedium zum Einsatz kommen. Pretterhofer und Schafler geht es um Überzeugungsarbeit. Die nicht nachdrücklich genug, aber in der Tat auch besonders behutsam sein muss und verstärkt werden soll. Diesbezüglich hofft man auch in der Folge auf die Unterstützung des Landes Steiermark.

K.U.L.M. Farbe bekennen. Eröffnung: heute, 19 Uhr, K3, Alte Schuhfabrik, Gewerbepark Pischelsdorf. Ausstellung bis 3. November.

Symposion. 26. Oktober, 10 Uhr, K3.

baustelle land. Eröffnung: 3. November, 19 Uhr, K3. Ausstellung bis 11. November.

Herwig G. Höller und Walter Titz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 20. 10. 2001
http://www.kleinezeitung.at

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