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An der Schnittstelle von Poesie und Kunst
"Im Buchstabenfeld" - Eine von Peter Weibel konzipierte Ausstellung in der Neuen Galerie Graz

"Der Entwurf zur Zukunft der Literatur", wie Peter Weibel seine Schau nennt, die sich anhand von Beispielen mit einer Kunstpraxis, die sich mit dem Wort und teils mit den neuen Medien auseinandersetzt, bleibt doch deutlich im Kontext der bildenden Kunst verhaftet. Er beginnt mit frühen Beispielen, die Interaktivität ansatzweise vorwegnahmen. Ecke Bonks vorwärts und rückwärts lesbarer Hilferuf an die Medien - aide moi : o media - auf Spiegeln knüpft an eine Tradition visualisierter Texte an, die am Beginn des 20. Jahrhunderts aktuell waren.

Die Beweglichkeit der Buchstaben hat inzwischen durch die Möglichkeiten des Internets zugenommen, und die Interaktivität folgt nicht mehr vorgegebenen Mustern. Wie schon Stephane Mallarme`, dessen jahrelange Bemühungen, ob die Metaebene eines Textes, letztlich als Frage der Typographie gesehen werden kann, so erweisen sich Strategien mit dem Prinzip des Zufallsgenerators als Grundmuster für Kunstwerke. Die via Video produzierte Textschleife von David Larcher läuft im leeren Raum. David Gabriel produziert "Poesiemaschinen", die zwar auf Texteingaben reagieren, die den "Mitautor" aber wohl nicht mehr betreffen.

Die Formen der Interaktivität sind denkbar bescheiden. Masaki Fujihatas "Beyond Pages", lassen einem die Möglichkeit, durch Eintragungen ins virtuelle Buch Geschichten auszulösen. Diese sind zwar vom Künstler vorgegeben, aber wenn sich überraschend im verdunkelten Zimmer eine Tür zu öffnen scheint, ein Kind hurtig den Ort verlässt, so sieht man sich doch an die Zeit erinnert, als Märchen noch real erschienen.

Zusammenfassend kann man in dieser Ausstellung eine Fokussierung auf Literaturen feststellen, die jenseits von linearem Schreiben und Lesen auf einem interdisziplinärem Gebiet agieren.
Als Trend der Zeit können die Überschneidungen der Kunstbereiche auch parallel in diesem "steirischen herbst" bei Beat Furrer in der Musik, die Sprache als Tonfragment einsetzt, aber auch als Bedeutungsträger zulässt, beobachtet werden.

Jana Wisniewski

erschienen in:
Salzburger Nachrichten, 17.10.2001
www.salzburg.com

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