[ programm ]


[ kalender ]



[ forum ]

[ tickets ]



[ steirischer herbst ]


[ info ]


[ homepage ]

[ suche ]




« zurück zur Liste

Dogma:Abstand halten!

Edgar Honetschläger (Austria) auf den Spuren der Globalisierung und Joe Felber (Australia) auf jenen Ad Reinhardts. Beides verfolgenswert.

Edgar Honetschläger, 38, ist Kosmopolit. Das vergangene Jahrzehnt verbrachte er in jeweils längeren Etappen in New York, Tokio, Los Angeles, Rom und Wien. Mit in diesem offenen Lebensraum konzipierten interkulturellen Kunstwerken machte der Oberösterreicher so bei der letzten "documenta"Oder in einem Werbespot, in dem Manhattans damals noch stolze Zwillingstürme für den Westen standen(1995). Auch Honetschlägers Spielfilm "Milk" (1997) ist eine öst-westliche Komödie der Irrungen - und Annäherungen.

Auch in Graz ist der Blick auf das vermeintlich Fremde Thema des Künstlers. Unter dem (schon vor dem 11. September entwickelten) Titel "In Times of Emergency" ("In Zeiten der Not") sind neben drei Installationen drei Videofilme zu sehen, die mit subtilem Humor kulturelle Klischeevorstellungen zerlegen. Und den gefährlichen Wahn, nur eine Kultur könnte Leitkultur sein, nur eine Religion die einzig wahre.

Dass in den barocken Ausstellungsräumen jesuitische Macht ihre deutlichen Spuren hinterlassen hat, verstärkt Honetschlägers Vorschläge, "eurozentrische Dogmen" (Kurator Alois Kölbl) aus kritischer Distanz zu betrachten, perfekt.

Der Amerikaner Ad Reinhardt demonstrierte in den Fünfzigerjahren mit "Black Paintings" die Verweigerung von Farbe, Form und Inhalt, die er in 25 Kurzstatements darlegte. Wirkt auf den ersten Blick dogmatisch, ist jedoch ebenfalls die Infragestellung jeglichen Dogmas.

Reinhardts berühmte Sätze - "Art ist art, everything else is everything else" - waren für den Australier Joe Felber Ausgangspunkt der Installation "Boundaries of Aesthetics", die er weltweit zeigt. Für Graz gestaltete er mit der Einbeziehung des barocken Stiegenaufgangs zum Minoritensaal eine völlig neue Version.

Gemeinsam mit Julie Henderson erarbeiteten Eva Brunner und Klaudia Reichenbacher eine Performance zu "25 Songs on 25 Lines" von Elliot Gyger. Zwei lichtschreibende Pendeln auf den Treppen und ständig wechselnde Videosequenzen verschmelzen mit Tanz und Musik zu einem fesselnden Gesamtbild, zu einem "Diskurs über Negation und Transzendenz".

Eva Schulz, Walter Titz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 17.10.2001
www.kleinezeitung.at

« zurück zur Liste