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"Begehren" und "ersehnte Alpen"

Beat Furrers neues Werk "Begehren" wurde am Freitag Abend im Grazer Schauspielhaus im Rahmen des steirischen herbst" uraufgeführt. Das als Musiktheater ausgewiesene Stück wurde vorerst nur konzertant gebracht, eine szenische Umsetzung will der "herbst" in Zusammenarbeit mit der Grazer Oper im nächsten Jahr nachliefern.Furrer setzt sich in diesem Stück mit dem Mythos rund um Orpheus auseinader. Es spielte das ensemble recherche unter der Stabführung des Komponisten.

Textcollage
"Begehren" basiert auf Texten von Ovid, Vergil, Hermann Broch, Cesare Pavese und Günther Eich zum Thema Orpheus. Wolfgang Hofer und Christine Huber haben die einzelnen Textstellen so ineinander verwoben, dass daraus fragmentarische Stimmungsbilder werden, die wie Schlaglichter innerhalb der Partitur aufblitzen, besonders, wenn die Musik fast vollständig verstummt und nur mehr ein Gewebe von Worten ausgespannt wird. Besondere Bedeutung kommt den choralartigen Passagen zu, die der Chor meisterhaft zu gestalten wusste. Es war dies das Vokalensemble NOVA unter der Leitung von Colin Mason.

Dunkles Geflüster
Furrer hat in seinem Werk auch dem Flüstern besondere Bedeutung beigemessen: Das zum Stilelemt erhobene Ausdrucksmittel unterstreicht das Düstere, Jenseitige des Stücks, die Stimmen kommen gleichsam aus der Unterwelt wie auch aus den Gedanken der einzelnen Personen. Die beiden Solopartien wurden von der Sopranistin Petra Hoffmann und dem Bariton Johann Leutgeb, der als Sprecher fungierte, ausgeführt.

Beat Furrer, der seit 1991 als ordentlicher Professor für Komposition an der Grazer Musikuniversität tätig ist, war bereits mehrmals beim "steirischen herbst" zu hören. Der 47-jährige Gründer des Klangforums Wien hob hier 1995 seine Oper "Narcissus" aus der Taufe.

Uraufführung Nummer 2
Einer gefeierten Uraufführung von Beat Furrers Komposition "Begehren" am Freitag folgte das Bühnenstück "Ich ersehne die Alpen; so entstehen die Seen" des Tiroler Autors Händl Klaus am Samstagabend. Die weitläufige neue Halle des Bautechnikzentrums der TU Graz wurde in dem Werk des 31-jährigen Händl zur Projektionsfläche für den Mythos der Alpen. Die Zuschauertribüne war das Bergmassiv, dem Olivia (Olivia Grigolli) ihren sehnsuchtserfüllten Monolog entgegenwirft. Ihre Suche nach Stille und der "geräumigen Kälte" der Alpen führt sie ebenso in den Tod wie gleich darauf Bruno (Bruno Cathomas), der in einem Monolog seine Liebessehnsucht in poetischen Worten vergeblich an Gletscherleichen zu erfüllen versucht. Der teils ironische, teils lyrische Bühnenerstling des Robert- Walser- Preisträgers Händl erntete anerkennenden Applaus.

Rebellierendes Subjekt
Der Intendant Peter Oswald, der die künstlerische Leitung des Festivals im vergangenen Jahr von Christine Frisinghelli übernommen hatte, sieht eine neue kollektive Revolte heraufziehen. "Das Subjekt rebelliert", hat er als Leitwort über die Veranstaltungsreihe geschrieben. Die Rebellion richte sich dabei "gegen die Zumutungen an das Ich". Diese Zumutungen sieht Oswald im globalisierten Kapitalismus, in den Möglichkeiten der Biotechnologie und im politischen Populismus. Entsprechend kreisen vor allem die Veranstaltungen im Bereich Theorie und Kunstvermittlung um diese gesellschaftlichen Konfliktfelder.

erschienen in:
ORF On, 10.10.2001
www.orf.at

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