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Verbotenes im Buchstabenfeld
Begriffs- und Bewusstseinserweiterung beim "steirischen herbst"

Graz - Was ist eine höchst subjektive, eine dominant sinnliche, eine ungemein bunte und nur höchst fragmentarisch vermittelbare Erfahrung? Genau, verboten! Und dennoch, den Djangos aller Weltflughäfen zum Trotz haben subversive Künstler immer wieder einmal Unerlaubtes eingeworfen, um ganz ohne Raumschiff unendliche Weiten zu erobern, Grenzen zu überschreiten, die den Gesetzestreuen ewig verschlossen bleiben. Kurz, die Erweiterung des Visuellen funktioniert chemisch. Das Potential des Optischen ist weitgehend ausgereizt.

Timewave Zero/The Poltics of Ecstasy zeigt jetzt im Grazer Kunstverein all jenen, die nie Drogen nehmen würden und ansonsten nichts so sehr fürchten, als dass die Reblaus einfällt, was der Unterschied zwischen einem Trip und einer Wanderung ist. Elf Künstler - Österreicher war keiner unter den Opfern, dafür aber die Amerikaner Lisa Beck, Charles und Ray Eames, Jack Goldstein, John McCracken und John Tremblay, die Briten Angela Bulloch und Cerith Wyn Evans, unter den Franzosen war Vidya Gastaldon so neugierig wie die Deutsche Isa Genzken und der Schweizer Sidney Stucki - nähern sich dem Unerreichbaren anhand eher stark abstrahierter Modelle zum Erlebnis Bewusstseinserweiterung.

Im Katalog, der am 20. Oktober erscheinen soll, wird sich Einstiegslektüre von Albert Hoffmann bis Timothy Leary finden. Und, wie immer und überall, wird auch Diedrich Diedrichsen sich gewaltig zu Wort melden.
(Bis 4. 11.)

Auszug aus dem Buch
Die Erweiterung des Literarischen dagegen kurbelt die Wirtschaft an. Neues Gastmedium der "Literatur"
ist der Computer. "Mit den veränderten Medien gibt es auch veränderte Praktiken des Schreibens und des Lesens, welche die Zukunft der Literatur bestimmen: der Autor als Algorithmus und der Leser als Navigator gemeinsam im Buchstabenfeld".

Das steht, ganz konventionell gesetzt, am Rücken eines - mit Erlaubnis der Verlags - gefakten Stücks Reclam Universalbibliothek. Entworfen hat die Zukunft der Literatur natürlich Peter Weibel. Seinen Entwurf unter dem Motto "an die Stelle der Seite tritt die Site" zu belegen, hat er vorwiegend Arbeiten aus der Sammlung des Medienmuseums des ZKM in Karlsruhe nach Graz überstellt und in der Neuen Galerie installiert. Ausgehend von Mallarmés Traum vom völlig offenen Text, auf den sämtliche Assziationen und Interpretationen durch den Leser vollinhaltlich zutreffen würden, kommt Peter Weibel zum Buchstaben als das einzig Verbindliche an der Literatur. Der Computer endlich bietet alle Möglichkeiten, unendlich viele wunderbar entpersönlichte algorithmische Texte zu produzieren.
(Bis 25.1.2002)

Körper und Haltungen
Gerhard Rühm, dem bei den Minoriten eine Retrospektive auf knapp 50 Jahre visuelles Dichten und Musizieren gewidmet ist, knüpft mit einer neuen Serie an eine alte typographische Tradition an: Er hat mit Hilfe zweier Modelle ein Körperalphabet geschaffen. In Umrissen hat er festgehalten, wie die beiden Haltungen von "A" bis "Z" einnahmen.
(Bis 4.11)

Radikalen Praktiken in Fotografie, Installation und Performance widmet sich Marina Grzinic in ihrer Schau The real, the Desperate, the Absolute im Forum Stadtpark. Da dem Österreicher aber alles radikale eher fremd ist, fand auch die Performance des slowenischen Künstlerkollektives Irwin als Kompromiss statt.Vier Mann des Bundesheers nahmen eher locker denn stramm vor der Fahne mit dem NSK-Logo Aufstellung. Hissen durften unsere Männer die Fahne auf höheren Befehl hin aber nicht. Bis 4. 11.

Markus Mittringer

erschienen in:
Der Standard, 09.10.2001
www.derstandard.at

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