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Das große Interesse am Menschenbild

Nicht nur die Hauptschau im "steirischen herbst" hat zum Thema, was manche für keines mehr halten: den Menschen und seine Konditionen.

Rund um "Abbild", Peter Pakeschs plakative und intelligente Spiegelung menschlicher Existenz, gruppieren sich im "steirischen herbst" noch etliche Ausstellungen mit diesem Mittelpunkt. Den außerdem ein Großteil der ausstellenden Künstler in jener Technik gestaltet, die auch in "Abbild" die prominenteste Rolle spielt: Malerei.

Martin Schnur, 37, präsentiert in der gelungen neu adaptierten Galerie Schafschetzy "Anonyme Räume" mit ebensolchen Menschen. Neue Ölbilder und Heliogravüren (letztere nuancenreiche Kunststücke aus der Werkstatt von Druckgrafik-Zampano Kurt Zein). Arbeiten, die im Bildschnit den Film-, Foto- und Cartoonfreund erkennen lassen und auch Erinnerungen an den großen Porträtiste menschlicher
Anonymität, Edward Hopper, wach rufen. Atmosphärisch dicht.

Klaus Wanker, 32, der bereits mit Arbeiten im Nahverhältnis zur Pop Art auf sich aufmerksam machte, setzt sich in seinem Komplex "Bang Bang" mit malerischen Mitteln mit der Welt der Videospiele auseinander. Mit ihren Inhalten ebenso wie mit ihrer Ästhetik. Die Auflösung typischer Spielsituationen im Tafelbild, die Verwandlung von Partikelnder digitalen "Möblierung" des Cyberspace in abstrakten Gemälde wirkt letztlich allerdings fast simpler und oberflächlicher als ihre Vorgaben.

PKW. Die malerische Bewältigung von Strukturen des virtuellen Raums ist - unter anderen - auch Thema von Herbert Soltys‘ "Spielsinnenspiel". In Weiterführung einer mehrjährigen umfangreichen Arbeit legt der 45-jährige Künstler Malschicht über Malschicht - an Wänden, aber auch an Objekten, die den Aspekt der dritten Dimension verdeutlichen. Zuvorderst ist Soltys‘ PKW,("Prozesskunstwerk") eine opulente Galerie menschlicher Gesichter - prominenter, anonymer, realistischer, karikierter Antlitze.

W. W. Anger, 44, als Gestalter hochkomplexer, meist raumgreifender Arbeiten ein Begriff, präsentiert sich ungewohnt ironisch. "Sponsoring z. B." ist der Titel von Angers Zeitbild mit sich selbst als Hauptdarsteller. Auf die Schaufel genommen wird die Methode, Banalitäten als Kunst zu verkaufen - und selbstredend an Sponsoren. Unter Angers "Projekten": "Katzenfüttern. Sponsored by Breykkies".

Menschenbilder der fragmentierten Art liefert seit eh und je Gustav Troger, 50. Sein umfassendes Kunstprojekt "Weißes, weißes Album" begann mit einer Aktion, die vor allem den - negativen wie positiven - Klischees der Wahrnehmung von Menschenbildern nachging. Mit Gold und Erde - nur zwei seiner vielen Mittel - steckt Troger das weite Feld ab, in dem letztlich nur die Auseinandersetzung mit dem Einzelnen zum Erfolg einer vorurteilsfreien Kommunikation führen kann.

Martin Schnur.
Galerie Schafschetzy, Graz, Färbergasse 2.
Bis 4. November.

Klaus Wanker.
Ecksaal Joanneum, Graz, Neutorgasse 45.
Bis 21. Oktober.

Herbert Soltys.
Agentur IAC, Graz, Friedhofgasse 20.
Bis 24. November.

W. W. Anger.
Galerie Centrum, Graz, Färbergasse 7 I.
Bis 4.November.

Gustav Troger.
Pfarrkirche St. Andrä, Graz, Kernstockgasse 9.
Bis 4. November.

Walter Titz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 09.10.2001
www.kleinezeitung.at

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