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Das Leben ist lebenswert
steir. herbst: "Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen"

Einer gelungenen Gratwanderung zwischen literarischem Hochgenuss und szenischer Absturzgefahr kam der Schauspiel-Auftakt beim steirischen herbst gleich: „Ich ersehne die Alpen; so entstehen die Seen“ von Händl Klaus brachte der Autor selbst in der Halle des Bautechnik-Zentrums der TU Graz zur Uraufführung.

Mit Verspätung stellte sich der kühne Alpenforscher dem Publikum. Im Vorjahr scheiterte das Unternehmen bei der Suche nach einem geeigneten Spielort für seine weiten Wort-Wanderungen.
Auch waren die Schauspieler, für die er den Doppelmonolog ersonnen hatte, gerade nicht greifbar: Olivia Grigolli und Bruno Cathomas, beide Volksbühnen-erprobt, mussten es sein. Recht hatte er.

Legionen von Stücken gehen sich heutzutage nicht mehr aus, raunen die Dramaturgen seit Jahren. Seit dem 11. September haben es Theaterleute noch schwerer. Gerade neue Stücke, die Gesellschaftsbilder und politische Stimmungen erzählen, kann man getrost auf Halde legen. Wie gut, dass es Händl Klaus gibt. So heutig und aktuell, abgehoben und verinnerlicht zugleich, kommen seine Sätze nebenbei daher und treffen mitten ins Herz. Wie Grigolli, bezaubernd im rosa Plüschmäntelchen, ihre Sehnsucht nach den Alpen in einem gewaltigen Sprachfluss formuliert, ihr zartes Dahinschmelzen beinahe rauskotzt, nach einem "raus aus der Wohnung, rein in die schroffe Klamm" schreit, fühlt man ihr liebend gerne nach. Die Botschaften sind klar und verstrickt, einfach zu empfangen und wirken lange nach. Wir wollen haben, was wir nicht haben. Wir wollen unerreichbar sein. Wir sind enttäuscht, wenn die weite Ferne nicht so ist, wie erdacht. Wir sind erleichtert, unser Leben aus der Hand zu geben ("und all diese Gegenstände"). Für einen Moment. Zumindest.

Fürsorglicher Humor

Mit einem "Uppsala, ja höpperladada!" und "Uj jeggerle" stolpert Cathomas, Bäumchen pflanzend, in die Bergszene und über vereiste Tote. Ruhepuls null, das ist der Grund für seine Hingebung, die er spontan zu seinen neuen Freunden entwickelt. Sie verkörpern, wonach er sich müde sehnt. Ruhe, Entspannung, Verschwiegenheit. Fürsorglich humorvoll, bezaubernd liebevoll entspinnt er ein Gefühls-Szenario, wie es im Leben nicht mehr möglich scheint. "Freunde, das Leben ist lebenswert!", ruft er den Toten zu. Merkt auch, wie Stille in Unerträglichkeit, Ruhe in betretenes Schweigen umschwenken kann.

Wie gut, dass Händl selbst sein Sprachspiel inszeniert hat. In diesem Falle – man mag sich gar nicht vorstellen was daraus werden könnte, würde ein ideenbesessener Regisseur Hand anlegen.

Caro Wiesauer

erschienen in:
Kurier, 8. 10. 2001
http://www.kurier.at

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