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"Alpen, wo seid ihr?"
Dilettantische Uraufführung eines Doppel-Monologs von Händl Klaus

Graz - Peter Oswald ist Enthusiast aus Überzeugung. Und Peter Oswald ist ein enthusiastischer Entdecker. In der Musik, jener Kunstsparte, deren Erscheinungsbild er in Österreich seit vielen Jahren mitprägt, förderte seine Wagnislust immer wieder Talente zutage.

Der Entdecker als Intendant eines österreichischen Avantgarde-Festivals: Das könnte im derzeit wenig mutigen Kulturklima eine außergewöhnliche Chance bedeuten. Zumal für das Theater, das hierzulande wenig Drang nach ästhetischer Neuerung zu verspüren scheint.

Nachdem Oswald, theaterunerfahren, im schnell zusammengeflickten Programm des Vorjahres noch auf klingende Namen vertraute und damit nahezu ausnahmslos und absehbar (teuere) Flops produzierte, setzt er nun auch hier auf sein Entdeckergen. Schon ist aus Autorenkreisen mehrfach zu hören, der vehemente Anreger rege immer wieder vehement zur dramatischen Produktion an.

Erste Ergebnisse dieser neuen Oswald-Lust am Theater sind heuer zu besichtigen: schon als Auftakt des Theater-herbstes am Samstag Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen von Händl Klaus.

Die Produktion zeigt allerdings vor allem die Tücken des Entdeckens auf unbekanntem Terrain: nicht jeder Aufbruch nach Indien landet schließlich in Amerika. Mancher strandet in der eben errichteten Maschinenbegutachtungshalle des Bautechnikzentrums der TU Graz. Die schaut aus wie sie klingt: sehr groß und sehr funktional. Als intimer Rahmen für einen fragilen Doppelmonolog taugt sie nur bedingt. Auch wenn er, wie der Theatererstling des 31-jährigen Händl Klaus, von der Sehnsucht nach Weite handelt, vom Mythos Berg.

Oberflächenkitzel

Händl Klaus, Tiroler und selbst ausgebildeter Schauspieler, schrieb zwei Monologe für die Darsteller Olivia Grigolli und Bruno Cathomas. Ich ersehne die Alpen: eine Frau, Städterin, verströmt sich in naiver Natursehnsucht ("Alpen, wo seid ihr? Bitte meldet euch bei mir"), um endlich im Tod mit ihr zu verschmelzen. So entstehen die Seen: Ein Mann pflanzt Bäume, findet Leichen ("Alarm, Alarm! Ich bin begeistert! Hallo, hier! Hopp hopp, zu mir!") und umarmt den Tod.

Große, philosophische Themen, die Händl Klaus allerdings nur an der modischen Oberfläche kitzelt. Und gänzlich scheitert die Regie, des Autors erste für das Theater: Schwitzende Eisleichen im silbernen Anzug auf weiße Stufen drapiert, auf denen, weiter oben, auch das Publium sitzt. Olivia Grigolli, bei Christoph Marthaler so berührend in ihrem direkten, ehrlichen Spiel, wird im rosa Plüschmantel als Städterin ausgewiesen und dann mit ihrem Text allein gelassen. Bruno Cathomas darf immerhin mit Bäumen und Leichen spielen.

Dass er eines der größten komischen Talente der deutschsprachigen Bühne ist, erfährt man mitnichten: verschenkt an einen rhythmisch unstimmigen, durch und durch dilettantischen Abend. Oswald, der Entdecker, ist schlecht beraten. Würde er einen Dirigenten, der bisher keine Probe seines Könnens ablegte, die Eröffnungsoper dirigieren lassen? Wohl kaum. Doch auch das Theater benötigt Professionalität.

Cornelia Niedermeier

erschienen in:
Der Standard, 8. 10. 2001
http://www.kleinezeitung.at

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