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George Bush schweigt

Die Ausstellung "Abbild" im "steirischen herbst" will zeigen, dass die Künstler wieder "Realismus praktizieren" wollen. Sagt Kurator Peter Pakesch.

Er verdreht die Lippen, macht einen Schnabelmund, setzt zum Sprechen an, aber nichts ist zu hören. In der Videoarbeit "Not Time To Fall" von Maria Friberg folgt US-Präsident George W. Bush mit seinen physiognomischen Verrenkungen dem von Gerhard Rühm in der Eröffnungsrede zum "steirischen herbst" ausgegebenen Bekenntnis nach Besinnung und Stille.

Das Video, eine Bearbeitung eines CNN-Beitrags, hängt in der Alten Galerie am Landesmuseum Joanneum neben dem Totenbild von Kaiser Maximilian I. Der Dialog von zeitgenössischen und historischen Kunstwerken ist schwierig, gelingt selten, in diesem Fall aber schon. "Eine Variation zu menschlicher Macht und Ohnmacht", sagt Kurator Peter Pakesch.

"Abbild" im "steirischen herbst": Von Intendant Peter Oswald angeregt, eine Ausstellung zum Leitmotiv der Ich-Recherche zu gestalten, stellt Pakesch die These auf, dass Kunstschaffende nach der Auflösung des Menschenbildes im vergangenen Jahrhundert, nachdem die Fotografie die "Unschuld Authentizität" verloren habe, über die (malerische) Beschäftigung mit Gesicht und Körper wieder "Realismus praktizieren" wollen: Erfahrungen des Mensch-Seins, das Erforschen des Subjekts sowie des Gegenübers über das Medium der Kunst definiert Pakesch als "humanistische Utopie".

Stichwort Utopie. Pakesch zeigt chinesische, japanische, indische und afrikanische Kunst und spricht vom Porträt als "gemeinsamem Nenner aller Kulturen". "Globale Kunst" als Illusion.

Die Körper-Diskussion ist international breit und fundiert abgehandelt, folglich konzentriert sich der Graz-Heimkehrer Pakesch auf das neben der Sprache gültige "Hauptkommunikationsmittel Gesicht": magischleuchtende Malerei (Miriam Cahn) neben bedrückenden Visionen in Comic-Manier (Franz Graf) neben inszenierter Fotografie (Cindy Sherman). In der Künstlerauswahl geht Pakesch auf Sicherheit, große Namen der Weltkunst und bewährte "Aufsteiger" werden zusammengespannt. Entdeckungen sind rar, Arbeiten wie jene von Jeff Wall, Hans-Peter Feldmann, der 100 Menschen-Bilder zu einer markanten Vergänglichkeits-Studie montiert, Yasumasa Morimuras Selbstbildnisse als Frida Kahlo, Hiroshi Sugimotos zynische "Prominentenfotos" oder Artur Zmijewskis Akte von Menschen mit und ohne Behinderung faszinieren wegen ihrer Intensität.

Neben dem "Schmerzensmann auf der Wolke", anno 1510, darf Heimo Zobernig via Video vergnügliche Faxen auf einem Sofa machen. Nette Idee. Schade, dass die Konfrontation zwischen Alt und Neu an ihrer letztlich halbherzigen Realisierung scheitert.

Landesmuseum Joanneum, Graz, bis 16. 12. Internet: www.abbild.steirischer-herbst.at

Martin Behr

erschienen in:
Salzburger Nachrichten, 6. 10. 2001
http://www.salzburg.com

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