[ programm ]


[ kalender ]



[ forum ]

[ tickets ]



[ steirischer herbst ]


[ info ]


[ homepage ]

[ suche ]




« zurück zur Liste

Schlick: Ferment der Kultur
Vitalprinzip Kunst: Jörg Schlick im "herbst"

Eines wird auch der Sehschwächste nicht übersehen können, begibt er sich heute auf den Ausstellungsrundgang (siehe auch "Aviso") im "steirischen herbst": Schlick.

Kein Wunder, hat doch der 50-jährige Grazer Multikünstler sein Projekt unter das Motto "Gleich scheuen Hirschen in Wäldern versteckt zu leben" gestellt. Die Wälder: mehr als ein Dutzend Ausstellungsräume in der Grazer Innenstadt. Sie füllt Jörg Schlick mit jüngerer und jüngster Kunstproduktion, tränkt sie förmlich - und stellt sich so unbescheiden, aber unaufdringlich, ernst, aber mit Selbstironie, als wichtiges Ferment der heimischen Szene dar.

Einem Großteil der dezentral präsentierten Schlick-Konfigurationen liegt als Gestaltungs- und Ordnungsprinzip die DNS-Struktur zu Grunde. So wie deren vier Basen A (Adenin), T (Thymin), C (Cytosin) und G (Guanin) im menschlichen Biobauplan immer wieder neu kombiniert sind - 3,2 Milliarden Möglichkeiten! -, fügt Schlick sein Fotomaterial zu immer neuen Tableaus.

Das klingt nach scheinbarer Vielfalt. Die Positionierung der Arbeiten in unterschiedlichsten Umgebungen erzeugt aber tatsächlich höchst differente Atmosphären. Das Wechselspiel von Kunst und Leben auf Niveaus, die oft "high" sind, sich aber nicht scheuen, "low" zu sein, funktioniert prächtig. Schlick berührt (seine Hommage "Poésie noire" an Elisabeth Printschitz bei "Camera Austria"), klärt auf ("Der kurze Sommer einer Haselmaus" bei Konzett), verbeugt sich (vor Salvador Dali, Henri Michaux und Michel Houellebeqc bei Bleich-Rossi und Kunst & Handel), blickt zurück (Artelier), öffnet die Augen, hilft anderen Sinnen auf die Sprünge (bei Gerry "White RUSSian").

Die Bilder an den Wänden - die auch die Wände eines stillen Örtchens sein können - sind unspektakulär, bei aller Präzision nicht auf Perfektion angelegt, und selbstredend auch nicht originell. Wie auch Schlicks musikalisches Schaffen - im Rahmen des "herbst"-Projekts legt er seine "Symphonie Nr. I" (mit Andi Beit) und seine "Symphonie Nr. II" (mit Justus Köhncke) auf CD vor - keine Klangwelten neu erfindet.

Was besticht, ist der beharrliche Glaube an Kunst als Lebens-Mitte(l), die absolute Loyalität Schlicks seinem eigenen und dem Werk seiner zahlreichen Freunde gegenüber. Das ist viel mehr, als man sonst meist bekommt.

Jörg Schlick "Gleich scheuen Hirschen in Wäldern versteckt zu leben". Informationen in den Publikationen des "steirischen herbsts".

Walter Titz

erschienen in:
Kleine Zeitung, 6. 10. 2001
http://www.kleinezeitung.at

« zurück zur Liste