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"steirischer herbst": Kunst und Politik

Gerhard Rühm, der österreichische Allround-Avantgardist, begann seine Eröffnungsrede zum "steirischen herbst" mit Gedanken zu den Terroranschlägen von New York und Washington. Nicht nur der Terrorismus, sondern jegliche Spielart des Fundamentalismus müssten geächtet und bekämpft werden. "Nicht nur über die Taliban hat man Grund, sich zu wundern", betonte Rühm und verwies auf Behauptungen von US-Predigern, wonach der Terror eine Gottesstrafe sei. In seinen "Provokation und Stille" betitelten Betrachtungen meinte der 71-Jährige, dass in der Kunst der gezielte Einsatz von
Überraschungs- und Schockeffekten zu intensiverer Wahrnehmung anrege. Angesichts des gegenwärtigen globalen Ausverkaufs ästhetischer Maßstäbe und der zunehmenden Neutralisierung zwischenmenschlicher Beziehungen verliere aber intelligentere Provokation ihre kathartische, reinigende Funktion. Rühm zitierte aus FPÖ-Forderungen, wonach sich "die
Realisierung der Werke an den Bedürfnissen des Publikums" orientieren solle: "Anspruchsvolleres wird damit finanziell ausgehungert. Das ist schleichende, nur notdürftig kaschierte Zensur."

Für "herbst"-Intendant Peter Oswald ist Handeln angesagt: "Auch und gerade jetzt, wenn politische Populisten versuchen, im Schatten der notwendigen Terrorbekämpfung auf infame Weise elementare zivilisatorische Rechte zu beschneiden, wenn diese Populisten versuchen, die ohnehin schon restriktive Asylpolitik noch weiter zu verschärfen und Menschen vorweg als potenziell kriminell verdächtigen."

"herbst"-Präsident Kurt Jungwirth erklärte zur aktuellen Lage, nicht nur Soldaten und Polizisten seien jetzt gefragt, sondern Staatsmänner und -frauen, "denen eine ganz andere Politik einfällt, eine bessere, menschenfreundlichere".

erschienen in:
Salzburger Nachrichten, 05.10.2001
www.salzburg.com

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