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Wer bin ich?

Festival. Der steirische herbst verzichtet heuer auf Star-Rummel. Stattdessen begibt sich Intendant Peter Oswald auf die Suche nach dem Ich und präsentiert ein stringentes Programm.

Tina Lanik? Christoph Frick? Händl Klaus? Die Regisseurin Tina Lanik wird landesweit von Dramaturgen im Auge behalten, Christoph Frick zählt
mit seiner Schweizer Off-Truppe KLARA zu den spannendsten Theatermachern des deutschsprachigen Raums, und der Tiroler Schauspieler, Autor, Film- und Theaterregisseur Händl Klaus wird in Programmhefttexten gar in einem Atemzug mit Jean Paul und Robert Walser genannt. Ohne Beipacktext freilich kommt noch keiner der drei jungen Künstler aus, und an der Abendkasse sorgen sie nicht unbedingt für klingende Münze.

Setzte der steirische herbst vergangenes Jahr stark auf zugkräftige Stars wie die baskischen Regie-Revoluzzer von Fura dels Baus, um das Grazer Avantgarde-festival aus seinem künstlerischen und medialen Tiefschlaf zu reißen, pfeift man diesmal auf jegliches Klimbim. Das Programm erscheint
stringenter, auch dürfte man dem Anspruch näher kommen, ein „Zeiterkundungsfestival“ zu sein.

„Was ist die entscheidende Kategorie in der Ablösung der Postmoderne?“, fragte Intendant Peter Oswald auf der Pressekonferenz wie in der „Millionenshow“. „Die Suche nach dem Ich" antwortete er sich selbst.Postulierten die siebziger und achtziger Jahre die Auflösung des Subjekts, versuchen Künstler längst wieder, im fragmentarischen, zersplitterten Ich eine Kohärenz zu finden. Die Ergebnisse dieser Suche hat Oswald zusammengetragen: für die Zeit vom 4. Oktober bis 4. November. Infos unter:
0316/81 60 70.

BÜHNE

Begehren
Musiktheater von Beat Furrer
(Uraufführung)
In seinem neuen Tondrama greift der Schweizer Komponist auf den Orpheus-Mythos zurück. Wenn der Weg auch ein anderer ist, das Ergebnis ähnelt jenem des griechischen Mythos: Statt in einem anderen Zustand enden Orpheus und Eurydike in verdoppelter Einsamkeit. Nach Texten von Pavese,Eich, Ovid und Vergil.
5. und 10. Oktober, Grazer Schauspielhaus (konzertante Aufführung)

Ich ersehne die Alpen;
So entstehen die Seen
Ein Stück von Händl Klaus
(Uraufführung)
Die zwei Protagonisten reden, reden den Tod an, reden sich zum Tod hin.Lokalisiert der Tiroler Händl Klaus das Ungeheuerliche vorzugsweise im
Familienleben oder in Dorfgemeinschaften, findet er es diesmal in den Alpen. Auf der Bühne stehen Olivia Grigolli und Bruno Cathomas – zwei Schauspieler, die auch am Beginn der Karriere des Regisseurs Christoph Marthaler standen. Regie führt Händl Klaus selbst.
6., 7., 9. u. 10. Oktober, Bautechnikzentrum der
TU Graz

Alle Jäger Danke
Ein Abend von KLARA
(Uraufführung)

Der Abend beginnt mit dem Schlussapplaus, am Schluss der Vorstellung gibt’s Karaoke – denn das, so die Ankündigung, ist „wahr und ehrlich“. Die gefeierte Schweizer Off-Truppe präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Grazer Theater im Bahnhof ein knalliges Experiment zum Verhältnis von Individuum und Öffentlichkeit – eine Art Ich-Jagd. 19., 20., 21., 22., 23. Oktober, Dom im Berg

Tintentod
Szenische Befragung
von Josef Winkler
(Uraufführung)

Großzügig, wie Intendant Peter Oswald mit Lob nun mal ist, zählt er Josef Winkler ungeniert zu den „größten Autoren weltweit“. Kein Wunder, hat Winkler für Oswald sein erstes Theaterstück geschrieben – wenngleich es gar kein richtiges Stück sein dürfte. Winkler begibt sich auf eine fast manische Suche nach den Wurzeln seines Subjekts und steht somit programmatisch für den
Schwerpunkt des Festivals. Tina Lanik führt Regie.

31. Oktober, 1., 2., 3. u. 4. November, Probebühne des Schauspielhauses

AUSSTELLUNGEN

Ausstellung, kuratiert
von Peter Pakesch

Das Generalthema des steirischen herbstes ließ Peter Pakesch die bildende Kunst nach Indizien für eine Befassung mit dem Thema Subjektivität
untersuchen. Dabei stellte er fest, „dass die Figuration und das Porträt einen neuen hohen Stellenwert erlangten, der weit über das in den siebziger Jahren aktuelle Thema Körper hinausgeht“. Dafür stehen sowohl ältere Künstlerinnen und Künstler wie Maria Lassnig, Louise Bourgeois und Paul McCarthy als auch junge wie Muntean-Rosenblum und eine ganze Generation chinesischer Künstler. Das Phänomen ist für Pakesch in der Malerei ebenso erkennbar wie in der Fotografie, der Skulptur und der Videokunst.
6.10. bis 16.12, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr, Landesmuseum Joanneum

Gerhard Rühm
Visuelle Poesie – visuelle Musik 1954–2001. Ausstellung,
koordiniert von Alexandra Foitl

Bekannt wurde er durch seine experimentellen Texte im Rahmen der Happening-Literatur der Wiener Gruppe. Aber Gerhard Rühm entwickelte weit darüber hinaus einen gesamtkunstwerkartigen Mikrokosmos, der Poesie, bildende Kunst und Musik in immer neuen Konstellationen verband. Für die Ausstellung in Graz entstand eine Serie von 26 Großformat-zeichnungen, die ein altes Thema der Kunst neu formulieren: das Körperalphabet.
7. Oktober bis 25. November, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr, Kultur zentrum bei den Minoriten

Im Buchstabenfeld
Die Zukunft der Literatur.
Ausstellung, kuratiert
von Peter Weibel

Literatur jenseits des Buches zeigt der Medienkünstler Peter Weibel anhand von etwa 20 Positionen. Ausgehend von historischen Experimenten (zum Beispiel in der Wiener Gruppe), werden computergestütztes Schreiben und die Möglichkeit der interaktiven Partizipation des Lesers am literarischen Werk zur Diskussion gestellt.
7. Oktober bis 25. November, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Do. bis 20 Uhr, Neue Galerie.

THEORIE

Genpool, Menschenpark,
Freizeitkörper
Vorträge und Diskussionen
zur Biopolitik

Die Abschaffung des Subjekts sieht Peter Oswald mit technischen Entwicklungen verbunden. „In der Biotechnologie ist die Allianz am durchsichtigsten“, so Oswald. „Hier werden im Reagenzglas Persönlichkeitsstrukturen hergestellt, hier fragen Forscher: Was ist persönlichkeitswert und was ist persönlichkeitsunwert?“ Ebenso thematisiert werden Globalisierung, Nanotechnologie und künstliche Intelligenz.
Von 11. bis 14. Oktober Bautechnikzentrum der TU Graz

KONZERTE

Musikprotokoll
Wie jedes Jahr präsentiert das Musikprotokoll zeitgenössisches Tonwerk – auf die Qualität der Kompositionen und Interpreten sollte man sich verlassen können. Von 11. bis 14. Oktober

Horst Christoph und Peter Schneeberger

erschienen in:
profil, 1.10.2001
www.profil.at

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