[ programm ]


[ kalender ]



[ forum ]

[ tickets ]



[ steirischer herbst ]


[ info ]


[ homepage ]

[ suche ]




« zurück zur Liste

Theater der aufregenden Art

Wären wir in New York, dann wären sie La Mama, die Need Company oder Elizabeth Le Compte‘s Wooster Group. - Aber wir sind in Graz und von hier aus strahlt wohl erworbener Ruhm nicht so schnell weltweit aus wie von Amerika.

Also gilt das "Theater im Bahnhof" einer verschworenen Schar von Kennern als die aufregendste Truppe weit und breit. Währenddessen der weitere Kreis von Theater-Fans das TiB vom Hörensagen oder aus der Zeitung kennt. - Das sollte sich in den nächsten Wochen ändern:
Kommenden Montag hat im eigenen Haus am Lendplatz (der Bahnhof ist längst verlassen) die neue Produktion des TiB Premiere: "Uns geht‘s ums Geld". Ein Abend, an dem zwei Schauspieler über sich selbst reflektieren. - Das klingt nicht gerade aufregend, wer aber die "Theatersport"-geeichten Impro-Kids kennt, weiß, dass einiges zu erwarten ist.Erstmals wird das TiB heuer im "steirischen herbst" einen großen Auftritt haben: Zusammen mit Akteuren des Klara-Theaters Basel bringt man am 19. Oktober im Dom im Schloßberg das selbst entwickelte Opus "Alle Jäger danke" heraus. Überraschungen sind garantiert.
"Reich und Arm", eine Soap über zwei Grazer Familien im Improvisations-Stil, wird ab 24. November fortgesetzt. Die neben dem montäglichen "Theatersport" etc. erfolgreichste Serie der Truppe.

Die TiB-Leute können überall spielen, sie sind sozusagen ihr Theater. Sie waren in Straßenbahnen zugange, in Containern, Kegelbahnen, Supermärkten, Hinterhöfen, Privatwohnungen etc. Ihr legendäres Projekt "50 Ways To Leave A Lover", fünfzig inszenierte Abschiede, nutzte faktisch den ganzen Stadtraum als Bühne. Dazu kamen Zeitungsinserate und Video-Shots.

LKH. Im Jänner beginnt eine interessante Koproduktion mit dem Grazer Schauspielhaus, dessen Direktor Matthias Fontheim (berechtigtermaßen) Gefallen an der dynamischen Off-Bühne gefunden hat: "LKH - Eine Theater-Soap" beleuchtet ironisch Fernsehserien à la "Schwarzwaldklinik","Emergency Room" etc. Gespielt wird auf der Probebühne, gemeinsam mit Ensemblemitgliedern des Schauspielhauses.

Die Hofgasse gastiert aber auch am Lendplatz: Die "Marx-Brothers- Radio-Show", eine Produktion der Bühnen Graz, wird im TiB-Heimathaus gegeben.

Für kommendes Frühjahr ist ein weiteres Projekt dieser Art in Planung: Gemeinsam mit den Theater-Avantgardisten "Hygiene heute" aus Gießen inszenieren die TiB-Künstler eine akustisch gesteuerte Personensuche. Via Walkman und Kopfhörer wird das Publikum durch die Stadt gesteuert. Es
gilt, einen fiktiv Vermissten zu finden.

Paranoid. "Dabei leiten wir die Leute an ihnen bisher vielleicht unbekannte Plätze, sie sollen einen fremden,vielleicht sogar etwas paranoiden Blick auf ihre Heimat bekommen", erklärt Helmut Köpping, künstlerischer Leiter des Theaters.

Das TiB besteht derzeit aus 15 Mitgliedern, neun davon sind angestellt. Einige von ihnen bekamen ihre Initiation durch Willi Bernhart, den grimmigen Theater-Tupamaro aus der Steinfeldgasse: "Wir verdanken ihm viel", sagt Gründungsmitglied Ed Hauswirth.

Fleißig sind die Akteure allesamt: Rund 90 Vorstellungen werden pro Jahr im Haus oder sonstwo gespielt, dazu kommen etwa 60 Abstecher in die Provinz und nach Wien.
Nur 2,1 der fünf nötigen Millionen Budget sind öffentliche Subventionen, das heißt, das knapp 80 Plätze bietende Haus erzielt eine Eigenwirtschaftlichkeit von über 50 Prozent.
Kennzahlen, von denen mancher Intendant nur träumen kann.

"Uns geht‘s ums Geld", Theater im Bahnhof,Premiere: 1.Oktober, Lendplatz 35

Frido Hütter

erschienen in:
Kleine Zeitung, 27.09.2001
www.kleinezeitung.at

« zurück zur Liste