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"Neuer Akzent bei 'Das Subjekt rebelliert'"
Steirischer Herbst stellte Programm vor – mit minimalen Änderungen

Wien/Graz - "Die tragischen Ereignisse haben natürlich lange Schatten auf die Kunstproduktion geworfen, nach dem spontanen Entsetzen haben umfangreiche Diskussionen mit den Künstlern eingesetzt."

Von der Kunst dürfe man sich jedoch keine schnellen Antworten erwarten, meinte Peter Oswald, Intendant des Festivals steirischer herbst, am Mittwoch in Wien bei der Vorstellung des endgültigen Programmes.

Es gab minimale Veränderungen: Beat Furrers Musiktheater, das am 5. Oktober, einen Tag nach der Eröffnung (mit einer Rede von Gerhard Rühm), seine konzertante Uraufführung erleben wird heißt nicht mehr Aria, sondern Begehren. Und das - zusammen mit der von Peter Pakesch kuratierten Abbild-Schau - wichtigste Ausstellungsprojekt, eine Artaud-Retrospektive von Kathrin Pichler, wurde auf 2003 verschoben.

'Das Subjekt rebelliert'

Oswald bezeichnet das derzeit viel gebrauchte Schlagwort "Nichts bleibt mehr so wie es ist" für problematisch. "Wenn nun die Welt wieder in gut und böse unterteilt wird, in dead or alive, wenn on einem Anschlag auf die zivilisierte Welt die Rede ist, werden wir uns alle fragen müssen, was schiefgelaufen ist, welche falschen Feindbilder wir transportiert haben."
Doch mit dem Generalmotto der Neudefinition des Subjektbegriffes läge man offenbar richtig. Oswald: "In der Postmoderne ist das Ich verabschiedet worden zu Gunsten einer Relaisstation designbarer Inhalte. In den letzten Jahren ist der Ich-Begriff wieder Thema der Diskussion geworden. Aber die Losung 'Das Subjekt rebelliert' hat natürlich in den vergangenen Tagen einen ganz neuen Akzent erhalten."

Verschiebungen

Am 4. Oktober startet das Festival mit einer Eröffnungsrede von Gerhard Rühm im Bautechnikzentrum der TU Graz. "Eine Art existentielle, radikale Ich-Recherche", sei, so Oswald, Beat Furrers "Begehren", das am 5.10. im Schauspielhaus seine konzertante Uraufführung erlebt. Die szenische Erstrealisation durch Reinhild Hoffmann und Zaha Hadid soll im kommenden Jahr nachgereicht werden.

Eng am Generalthema orientiert sich auch die Theater-Produktion "Alle Jäger danke", für die das Grazer Theater im Bahnhof und das Baseler Klara-Theater im "Dom im Berg" ab 19.10. gemeinsam auf "eine Art Ich-Jagd" gehen.

Kurator Peter Pakesch hat für die Ausstellung "Abbild" im Joanneum 50 künstlerische Positionen versammelt und versucht so "das Subjekt als eine Rekonstruktion nach den Trümmern, die die Postmoderne hinterlassen hat" (Oswald) darzustellen.

Szenisches

Unter den szenischen Produktionen des Festivals, findet sich "Tintentod", das erste Theaterstück von Josef Winkler (Oswald: "Ich halte ihn für einen größten Autoren weltweit, es war für mich der größte Traum, ihn zu seinen szenischen Erstling zu animieren."), dem ein Interview mit dem Germanisten Klaus Amann zu Grunde liegt. Die Uraufführung am 31.10. besorgt Tina Lanik.
Georg Staudacher inszeniert am 18.10. in Mürzzuschlag die Uraufführung von Robert Wolfs "Der Russland-Salon" als Koproduktion mit dem Wiener Rabenhof Theater, Klaus Händl setzt sein "Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen", ein Doppelmonolog für Olivia Grigolli und Bruno Cathomas, am 6.10. selbst in Szene. Am 19.10. wird "Das Pulverfass" von Dejan Dukovski wieder aufgenommen.

"Dass die großen Stars heuer fehlen, hat einen wichtigen Grund", sagt Festival-Dramaturg Wolfgang Reiter, "Wir konnten diesmal im Gesamten ein Programm entwickeln, dessen vielen Teile ineinander übergreifen. Wir haben hineingehorcht, was die Künstler, deren Arbeit wir seit einiger Zeit verfolgen, gerade beschäftigt - um unseren Anspruch eines Zeiterkundungsfestivals gerecht zu werden."

Thomas Trenkler

erschienen in:
derStandard.at, 20. 9. 2001
http://derstandard.at

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