[ programm ]


[ kalender ]



[ forum ]

[ tickets ]



[ steirischer herbst ]


[ info ]


[ homepage ]

[ suche ]




« zurück zur Liste

Ich-Suche
Keine schnellen Antworten

"Die tragischen Ereignisse haben natürlich lange Schatten auf die Kunstproduktion geworfen, nach dem spontanen Entsetzen haben umfangreiche Diskussionen mit den Künstlern eingesetzt." Peter Oswald, Intendant des Festivals steirischer herbst, hält das derzeit häufig gebrauchte Schlagwort "Nichts bleibt mehr so wie es ist" für problematisch.

"Wenn nun die Welt wieder in gut und böse unterteilt wird, in dead or alive, wenn von einem Anschlag auf die zivilisierte Welt die Rede ist, werden wir uns alle fragen müssen, was schiefgelaufen ist, welche falschen Feindbilder wir transportiert haben." Unmittelbar auf die tragischen Ereignisse eingehen wolle man aber nicht. Von der Kunst dürfe man sich jedoch keine schnellen Antworten erwarten, meinte Oswald am Mittwoch Vormittag in Wien bei der Vorstellung des endgültigen Programms des Festivals, das am 4. Oktober im Bautechnikzentrum der TU Graz startet.

Eröffnung mit Gerhard Rühm

Eröffnet wird das Festival mit einer Rede von Gerhard Rühm. Mit dem Generalmotto der Neudefinition des Subjektbegriffes läge man offenbar richtig. "In den letzten Jahren ist der Ich-Begriff wieder Thema der Diskussion geworden. Aber die Losung 'Das Subjekt rebelliert' hat natürlich in den vergangenen Tagen einen ganz neuen Akzent erhalten", so Oswald bei der Präsentation.

"Eine Art existentielle, radikale Ich-Recherche", sei, so Oswald, Beat Furrers "Begehren". Die Uraufführung dieses Auftragswerkes ist eine Neudeutung des Orpheus-Mythos und hat am 5. Oktober im Schauspielhaus seine konzertante Uraufführung.
Die szenische Erstrealisation durch Reinhild Hoffmann und Zaha Hadid soll im kommenden Jahr nachgereicht werden. Eine weiterer Höhepunkt des Festivals ist die Raum-Klang-Installation mit dem Titel: "Abenteuer in Sachen Haut" der jungen österreichischen Komponistin Olga Neuwirth nach Texten von Dylan Thomas.

"Ich-Jagd"

Ebenfalls auf nächstes Jahr verschoben wurde Cathrin Pichlers geplante Artaud-Ausstellung, die wichtiges neu aufgefundenes Material erstmals präsentieren will. Eng am Generalthema orientiert sich auch die Theater-Produktion "Alle Jäger danke", für die das Grazer Theater im Bahnhof und das Baseler Klara-Theater im "Dom im Berg" ab 19. Oktober gemeinsam auf "eine Art Ich-Jagd" gehen.

Kurator Peter Pakesch hat für die Ausstellung "Abbild" im Joanneum 50 künstlerische Positionen versammelt und versucht so "das Subjekt als eine Rekonstruktion nach den Trümmern, die die Postmoderne hinterlassen hat", so Oswald, darzustellen.

Symposium zu aktuellem Motto

Die Zumutungen an das Ich, die der "steirische herbst" thematisieren will, manifestieren sich, so Peter Oswald, in vielerlei Gestalt wie Turbokapitalismus, Globalisierung oder Biotechnologie. Mit diesen Themen wird sich ein Symposium Mitte Oktober mit dem Titel "Genpool-Menschenpark-Freizeitkörper" auseinandersetzen.

Szenische Produktionen

Zu den szenischen Produktionen des Festivals zählt u.a. "Tintentod", das erste Theaterstück von Josef Winkler, dem ein Interview mit dem Germanisten Klaus Amann zu Grunde liegt. "Ich halte ihn für einen größten Autoren weltweit, es war für mich der größte Traum, ihn zu seinem szenischen Erstling zu animieren", meint Oswald. Die Uraufführung am 31. Oktober wird von Tina Lanik geleitet.

Georg Staudacher inszeniert am 18.Oktober in Mürzzuschlag die Uraufführung von Robert Wolfs "Der Russland-Salon" als Koproduktion mit dem Wiener Rabenhof Theater. Klaus Händl setzt sein Werk "Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen", einen Doppelmonolog für Olivia Grigolli und Bruno Cathomas, am 6. Oktober selbst in Szene. Am 19. Oktober wird "Das Pulverfass" von Dejan Dukovski wieder aufgenommen.

Keine großen Stars

"Dass die großen Stars heuer fehlen, hat einen wichtigen Grund", sagt Festival-Dramaturg Wolfgang Reiter, "Wir konnten diesmal im Gesamten ein Programm entwickeln, dessen viele Teile ineinander übergreifen. Wir haben hineingehorcht, was die Künstler, deren Arbeit wir seit einiger Zeit verfolgen, gerade beschäftigt - um unseren Anspruch eines Zeiterkundungsfestivals gerecht zu werden."

Dank zahlreicher weiterer Ausstellungen, Veranstaltungen und Aktivitäten - wie der bereits höchst erfolgreichen "Literaturbörse" - umfasst das Programmbuch des steirischen herbst 2001 nun 376 Seiten. Es ist ab sofort um 35 Schilling in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich.

"herbst" 2002

Nächstes Jahr wird der "steirische herbst" - mit neuer Festivalhalle, wie Oswald hofft - erst am 24. Oktober beginnen. Damit soll den zuvor in Graz tagenden Buddhisten keine Konkurrenz gemacht werden.

Tipp:
steirischer herbst 2001, 4. Oktober bis 4. November 2001, Informationen und Karten: 0316 / 81 60 70.

erschienen in:
ORF ON, 19. 9. 2001
www.of.at

« zurück zur Liste