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Hoch im Kurs: Kaufen Sie jetzt Literatur!

Schenkt man der Meldung der Börsenaufsicht Gewicht, dann ist im Moment kein schlechter, aber auch ein riskanter Zeitpunkt, um in Literatur zu investieren.Wird der LAIX, der Literaturaktienindex, nach der ersten Woche auf dem freien Markt, nun fallen oder wie bisher steigen? Jetzt sind Sie als Investor gefragt, mitzuentscheiden, und in die unendlichen Weiten der freien Marktwirtschaft einzutauchen. www.literaturboerse.com nennt sich ein Projekt, das Autoren in die Rolle von Aktiengesellschaften bringt und Leser in die von Anlegern. Das literarische Börsenspiel ist vom "steirischen herbst" ins Leben gerufen wurden, Initiatoren sind Hannes Luxbacher, Andreas R. Peternell und Werner Schandor. Die drei schreiben über ihr Projekt: "www.literaturboerse.com versucht, mit den seit einigen Jahren immer wieder parallelisierten Rollen ,Künstler/Künstlerin' und ,Markstratege/Marktstrategin' thematisch zu spielen und die tatsächlichen Schnittstellen überdeutlich aufzuzeigen. Das Phänomen der ,Autorschaft als Management', wie es Felix Philipp Ingold nannte, wird ausgeleuchtet und die Einmischung des vielgepriesenen Marktes in das Feld der Literatur diskutiert."
Das hört sich natürlich recht theoretisch an, ist zugleich aber ein witziges Rollenspiel, bei dem Literaturkritiker zu Anlageberatern und Großinvestoren werden und Schreiber zu gewieften Spekulaten: Welcher Text bringt mir die meiste Aufmerksamkeit? Der von Tongue Tongue Hongkong auf den Markt geworfene Text hat zum Beispiel einen "superlativischen Einstieg" befindet unsere Beraterin Petra Nachbaur. Tongue Tongue versteht Spannung zu erzeugen: Alfredo ist hingerichtet worden. Er ist für die Literatur gestorben. Die Käufer ließen nicht lange auf sich warten. Tongue Tongue notiert im Moment sehr hoch an der Literaturbörse. Folgt ein rascher Absturz? Doch besser in einen Außenseiter investieren?
Wie steigt man überhaupt ein? Um Investor an der Literaturbörse zu werden, genügt es, einzuloggen, indem man seine E-Mail Adresse angibt, einen Usernamen wählt und ein Passwort bestimmt. Schon stehen einem 10 000 - wohlgemerkt! - virtuelle Euro als Startkapital zur Verfügung. Die Börse hat vom 1. Juni bis zum 1. November 2001 vierundzwanzig Stunden am Tag geöffnet. Adresse: http://www.literaturboerse.com.
Für Autorinnen und Autoren ist es nicht minder unkompliziert mitzumachen. Die eingeschickten Texte müssen Erstveröffentlichungen sein, die maximale Länge beträgt 20 000 Zeichen, und die Jury muß sich für den Text entscheiden. Ebenso wie man als Anleger kein richtiges Geld bekommt, ist auch für Schreibenden kein finanzieller Gewinn rauszuschlagen. In den literarischen Kategorien Lyrik, Prosa, Drama, Experiment werden die Sieger allerdings anfang November zum steirischen herbst eingeladen.
Das muß Ihnen als Information genügen, jetzt sind Sie gefordert: Bewegen Sie den Markt!

erschienen in:
literaturhaus.de, 23.8.2001
www.literaturhaus.de/headlines/2001

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