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Zur Eröffnung des steirischen herbst 2001
Peter Oswald, Intendant des steirischen herbst

Der steirische herbst ist auch im Jahr 2001 das österreichische Festival der Neuen Kunst.

Es könnte nicht stattfinden ohne das große Engagement der Subventionsgeber. Das ist – und das ist in den bekanntermaßen enger gewordenen Zeiten umso bemerkenswerter – in besonderem Ausmaß dem Land Steiermark, der Stadt Graz und dem Bund zu verdanken.


Es könnte nicht stattfinden ohne die vielen Sponsoren und Partner, die den steirischen herbst in einem so großen Ausmaß unterstützen.

Besonders hervorheben möchte ich heute das Engagement von
Graz Tourismus (Studie Sturm / sth),
Die Steiermärkische
AVL List
Merkur Versicherung
Steweag
Grazer Stadtwerke (die die morgige Uraufführung von Händl Klaus hier im Bautechnikzentrum unterstützen)
Pro Helvetia

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch die Technische Universität Graz mit ihrem Rektor, Universitätsprofessor Erich Hödl, dafür, dass sie uns diese großartige Halle zur Verfügung gestellt und uns damit aus höchster Not errettet haben.

Unseren Medienpartner möchte ich ebenfalls danken

Der Standard
Ö1
FM4
ORF Steiermark


Mein Dank gilt ganz besonders den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des steirischen herbst, Sabine Achleitner, Astrid Andrä, Astrid bader, Brigitte Bidovec, Marlene Egger, Alexandra Foitl, Elisabeth Gmeiner, Daniele Olotu, Heide Oberegger, Andrea Plank, Sabine Reisner, Wolfgang Reiter, Gerda Ridler, Dietmar Seiler und den vielen anderen, die unser Team in den letzten Wochen und Monaten verstärkt haben.

Wir laden Sie in den kommenden 31 Tagen ein, mit uns in rund 200 einzelnen Veranstaltungen zu Erkundungen in die Gegenwart aufzubrechen – auf ganz unterschiedlichen Routen, deren Endpunkte keineswegs gewiss sind.

Die Richtung ist klar. Ganz bewusst begibt sich der steirische herbst 2001 auf die Spuren des Ichs. Fragt nach der gegenwärtigen Situation dieses Ichs, das im vergangenen Jahrhundert einer so wechselvollen Geschichte ausgesetzt war. Einer Geschichte aber, die unabgeschlossen ist und das Subjekt zu einem unverzichtbaren Thema macht.

Wir haben diese Herausforderung angenommen, gerade weil wir erkennen, dass sich das Subjekt immer schon in einer prekären Lage befunden hat: dem Spiel von Instanzen und Machtkonstellationen ausgeliefert, von Auflösung und Zerfall stets bedroht.

Mittlerweile sehen wir uns aber einer vollkommen entgrenzten und entfesselten ökonomischen Dynamik gegenüber. Zugleich werden technologische Entwicklungen in einer Rasanz vorangetrieben, mit der die gesellschaftliche Willensbildung nicht Schritt hält. Das handlungsfähige Subjekt droht auf der Strecke zu bleiben.

Nicht Verweigerung, die ohnehin nur vorgetäuscht wäre, und nicht Feindschaft ist das Thema. Es geht vielmehr darum, die ökonomischen Veränderungen und die wissenschaftlich-technischen Entwicklungen mit gesellschaftlichem Fortschritt zu verbinden. Damit dieser gesellschaftliche Fortschritt nicht ins Fadenkreuz der entschlossenen Gegner dieses Fortschritts, ins Fadenkreuz politischer Populisten und kapitalistischer Egoisten, ins Fadenkreuz hemmungsloser Technokraten gerät.

Vielleicht muss man die Selbstverständlichkeit aussprechen, dass nur Subjekte gesellschaftlich und politisch handeln können.

Dieses Handeln ist gefordert. Auch und gerade jetzt, wenn politische Populisten versuchen, im Schatten der notwendigen Terrorbekämpfung auf infame Weise elementare zivilisatorische Rechte zu beschneiden, wenn diese Populisten versuchen, die ohnehin schon restriktive Asylpolitik noch weiter zu verschärfen und Menschen vorweg als potentiell kriminell verdächtigen.

Das Ich ist fragil geworden, zerbrechlich; Selbst-Bestimmtheit und Selbst-Gewissheit sind über Bord geworfen worden. Jede globalutopische Perspektive – jenseits ökonomischer, bloß an Profitmaximierung orientierter Strategien - ist verloren gegangen. Aber es ist möglich zu insistieren, die Kraft zur Veränderung, zum Eingreifen bewusst zu machen und in soziales und politisches Handeln zu überführen. Das Subjekt rebelliert gegen alle politischen Angriffe auf die individuelle Freiheit, das Subjekt rebelliert gegen medizinische Zwangsuntersuchungen einzelner Gruppen und auch gegen den skandalösen Paragrafen 209.

Kunst kann, wie es Luigi Nono formuliert hat, einen Beitrag zur Revolutionierung der Wahrnehmung leisten. Als unverzichtbarer Seismograph kann sie Handlungsräume des Ichs sichtbar machen und besetzen. Künstlerische Produktion ist damit das Gegenteil von Luxus. Sie ist eine unverzichtbare Instanz für eine humanere Zukunft.

Die Erfüllung dieser Perspektiven ermöglichen die Künstlerinnen und Künstler, die in unterschiedlichen, sich auch widersprechenden Formen und Herangehensweisen für ihre ästhetische Wahrheit kämpfen und einstehen. Ihre Botschaften, ihre Werke, ihr Schaffen ist eine lebensnotwendige Herausforderung für diese Gesellschaft. Erst aus der passionierten Auseinandersetzung mit ihnen bezieht der steirische herbst sein Feuer.

Fünf Künstlerinnen und Künstler haben sich ganz zu Beginn des heutigen Abends von Ihnen verabschiedet. Herbert Adamec, Alexander Mitterer, Annette Holzmann, Michael Ostrowksi und Roswitha Soukup waren in den vergangenen zwei Wochen unter großem persönlichem Einsatz unterwegs, um das Programm des steirischen herbst in den Stadtraum zu tragen. Für ihr Engagement möchte ich ihnen – stellvertretend für alle am steirischen herbst beteiligten Künstlerinnen und Künstler – danke sagen.

Unsere Auseinandersetzung mit neuer Kunst geschieht nicht im Elfenbeinturm, auch wenn viele urige Reaktionäre dies gleichermaßen möchten wie Populisten es gerne behaupten. Und wenn auf der anderen Seite selbstzufriedene Apologeten sagen: Wenigstens hat der Elfenbeinturm Schießscharten!

In der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Lebensformen – nicht in der Verweigerung ihnen gegenüber. In dieser Auseinandersetzung entstehen avancierte künstlerische Praktiken, hier wird ein "dritter Weg" sichtbar werden zwischen den Polen eines resignativen Kulturpessimismus und einer alles zersetzenden Indifferenz, die ohnmächtig macht. Neue Kunst als politisch-gesellschaftlicher Stachel, als politisch-gesellschaftlicher Einspruch, als unverzichtbares Korrektiv.

Sein Publikum, sehr geehrte Damen und Herren, möchte der steirische herbst nicht in der Rolle des Rezipienten, sondern in der Rolle der Protagonisten mit Handlungskompetenz ansprechen.

Dazu bedarf es der Aufmerksamkeit. Und dazu bedarf es der Bereitschaft, sich auf das Unbekannte und Fremde einzulassen.

Gerade auch das machen die Folgen des 11. September deutlich.

Ich wünsche Ihnen einen spannenden und kontroversiellen herbst!!

Text vom 4. 10. 2001 © steirischer herbst

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