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steirischer herbst
4. Oktober – 4. November 2001

Am 4. Oktober wird im Bautechnikzentrum der TU Graz der steirische herbst 2001 mit einer Rede Gerhard Rühms (und einem großen anschließenden Fest) eröffnet.

Im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals steht die gegenwärtige Situation des Subjektes: das Ich, das seine Selbst-Sicherheiten lange schon abgelegt hat, das im Angesicht sich abzeichnender gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen aber auch die Pessimismen der Postmoderne hinter sich gelassen hat und eine neue, kritische Vitalität entwickelt. Der Möglichkeit von Identität unter prekären Bedingungen, zwischen Zerfall und Widerstand, zwischen Selbstaufgabe und Selbstbehauptung, spüren viele der Projekte des steirischen herbst 2001 nach.

Dem verschlungenen Pfad des Orpheus-Mythos, des zentralen Modells abendländischen Musiktheaters, folgt "Begehren" (konzertante Uraufführung: 5. 10.), die neue Komposition Beat Furrers, in der er den gebrochenen Mythos um das Paar, das einst Orpheus und Eurydike gewesen ist, immer wieder umkreist und reflektiert (Ausführende: ensemble recherche, Vokalensemble NOVA).

Die Ausstellung "ABBILD" (Eröffnung: 5. 10., Kurator: Peter Pakesch) präsentiert von Pawel Althamer bis Heimo Zobernig fünfzig Positionen, die die Darstellung des Menschen in der Bildenden Kunst der letzten Jahre wieder zu einem substanziellen Thema gemacht haben. Korrespondierend damit fragt "Genpool, Menschenpark, Freizeitkörper" (11. – 14. 10.), eine Serie von öffentlichen Vorträgen und Diskussionen, nach den Menschenbildern, die hinter den mit größten Ängsten und Unsicherheiten verbundenen Verheißungen der Biotechnologie sichtbar werden (Konzept: Theo Steiner).

Mit der Struktur der menschlichen Erbinformationen beschäftigt sich auch Jörg Schlick. Im Rahmen seines Projektes mit dem barock anmutenden Titel "Gleich scheuen Hirschen in Wäldern versteckt zu leben" überführt er in 15 Ausstellungen die Kunst in das Regelsystem der Biologie (Eröffnung: 6. 10. im Rahmen des Ausstellungsrundganges). Auch die Ausstattung des Balletts Ein Bild und sein Schatten (Premiere: 28. 10.) sowie die Produktion von Schlicks 2. Symphonie orientieren sich – im Sinne des umfassenden Werkgedankens – am genetischen Schema.

Dem bewusstseinserweiternden Potenzial von Drogen spürt die Ausstellung "Timewave Zero – The Politics of Ecstasy" im Grazer Kunstverein nach (Kuratoren: Lionel Bovier, Jean-Michel Wicker; Eröffnung: 6. 10. im Rahmen des Ausstellungsrundganges).
"Im Buchstabenfeld", ein Projekt der Neuen Galerie (Kurator: Peter Weibel), beschäftigt sich mit Literatur im elektronischen Zeitalter. Präsentiert werden rund 20 Positionen, die einen Überblick über die nicht mehr an das Papier gebundene literarische Produktion der jüngsten Zeit bieten (Eröffnung: 6. 10. im Rahmen des Ausstellungsrundganges).

Auf die beständige Erfahrung osteuropäischer KünstlerInnen im Umgang mit öffentlichen Auftritten stützt sich "Never Stop the Action", ein Projekt von < rotor >. Drei Tage lang reagieren KünstlerInnen mit Aktionen und Performances im Grazer Stadtzentrum auf aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen (Termin: 12. – 14. 10. 2001).
"The Real, the Desperate, the Absolute" (Kuratorin: Marina Grzinic) beschäftigt sich im Rahmen einer Ausstellung und eines Symposions mit Kunstsystemen, nutzlosem Aktivismus und radikalen Projekten über Wahrheit und Repräsentation (Eröffnung: 6. 10. im Rahmen des Ausstellungsrundganges).

Die Doppelausstellung "Naredite to dezelo spet... / Machen Sie mir dieses Land wieder..." im Pavel-Haus in Radkersburg und im Multimediazentrum KIBLA in Maribor geht dem komplizierten Verhältnis zwischen der Steiermark und Slowenien nach (Eröffnung im KIBLA: 19. 10., Eröffnung im Pavel-Haus: 21. 10.).

Der junge Tiroler Autor Händl Klaus konfrontiert in "Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen" (Uraufführung: 6. 10.) zwei Menschen (Olivia Grigolli und Bruno Cathomas in der Regie Händls) mit dem Mythos und der Realität des alpinen Bergmassivs und wirft sie zurück auf ihre Sehnsüchte, die sich letztlich erst mit dem Tod erfüllen können. Tod, Sexualität, Heimat und Katholizismus sind die Themen des konsequenten Schreib-/Identitätsarbeiters Josef Winkler – auch in seinem Text "Tintentod" (Uraufführung: 31. 10.), den der steirische herbst in einer szenischen Bearbeitung auf die Bühne bringt (Regie: Tina Lanik, Darsteller: Adrian Furrer).
Auf "eine Art Ich-Jagd" begeben sich die ImprovisationskünstlerInnen des Grazers Theater im Bahnhof in Zusammenarbeit mit dem der postdramatischen Avantgarde verpflichteten Theater KLARA aus Basel: "Alle Jäger danke" (Uraufführung: 19. 10., Regie: Christoph Frick) ist ein theatralisches Experiment zum Verhältnis von Individuum und Öffentlichkeit, angesiedelt zwischen der spielerischen Leichtigkeit der Marx Brothers und der fleischlichen Direktheit eines Paul McCarthy.

Zu einer Wiederaufnahme veranlasst den steirischen herbst der große internationale Erfolg der Produktion "Das Pulverfass" (Termin: 19. 10.), die u.a. zu Gastspielen in Sofia, Hamburg und Prag eingeladen wurde. Dejan Dukovskis "Reigen der Gewalt" zählt zweifellos zu den besten literarischen Selbstbildnissen des Balkans der letzten Jahre und weist in der beklemmenden Regie Dimiter Gotscheffs dennoch weit über den regionalen Kontext hinaus.

"Abenteuer in Sachen Haut" (Premiere: 25. 10.), ein Projekt Peter Carps und Olivier Ortolanis, versucht, der Stimme des legendären Dichters und Rezitators Dylan Thomas wieder Gehör zu verschaffen und mit den elektroakustischen Klängen Olga Neuwirths fortzuspinnen. Eng in Zusammenhang damit steht das diesjährige Literaturprojekt des steirischen herbst: "Am Anfang war der Laut" (Termin: 25. – 28. 10., Konzept: Ilma Rakusa) widmet sich den KlangkünstlerInnen, den GrenzgängerInnen zwischen Literatur und Musik. Musik kommt dabei unter anderem von Uwe Dierksens Band MAVIS, die für den steirischen herbst auch ein "szenisches Konzert" erarbeitet hat (Premiere: 28. 10.).

Für das 18. Jugendmusikfest Deutschlandsberg hat Gerd Kühr eine "Kleine Oper für Kinder und mit Kindern" geschrieben: "Agleia Federweiß" wird in der Regie von Hans Hoffer zur Uraufführung gebracht (Termin: 24. 10.). Robert Wolfs Stück "Der Russland-Salon" wird im Rahmen der diesjährigen muerz werkstatt von Georg Staudacher inszeniert (Uraufführung: 18. 10.).

Musik von Zeitgenossen für Zeitgenossen präsentiert das musikprotokoll (11. – 14. 10., Programm: Christian Scheib), das mehr ist als ein Präsentationsort für Musik: musikprotokoll, das heißt Zeitgenossenschaft und Technologie, Musik und Lebensformen. "living room – the social dimension of sound waves" lautet daher der diesjährige Untertitel.

Mit Musik beschäftigte sich auch Gerhard Rühm immer wieder intensiv. Dass er an "Am Anfang war der Laut" teilnimmt, versteht sich von selbst. Darüber hinaus ist dem "Professor für Grenzüberschreitungen" auch ein Konzertabend mit zwei Uraufführungen und einer österreichischen Erstaufführung (Termin: 16. 10.) sowie die Retrospektive "VISUELLE POESIE VSUELLE MUSIK" (Eröffnung: 6. 10. im Rahmen des Ausstellungsrundganges) gewidmet. Das Wiener Kabinetttheater bringt im Rahmen von "not.tour.no – die kunstnacht" (Termin: 20. 10.) mehrere Minidramen zur Aufführung. Und zum Abschluss des Festivals gibt Rühm einen seiner raren Chansonabende (Termin: 4. 11.).

Aus ganz anderem Blickwinkel beschäftigt sich "www.literaturboerse.com" (schon seit 31. 5.) mit Literatur. Das literarische Börsespiel, das AutorInnen zur Aktiengesellschaften und LeserInnen zu AnlegerInnen macht, beleuchtet das Eindringen ökonomischer Faktoren in das Feld der literarischen Produktion. Der LAIX, der österreichische Literatur-Aktienindex hat bereits turbulente Zeiten hinter sich. Das "Mitspielen" ist – auf beiden Seiten – noch bis zum Ende des steirischen herbst möglich.




Informationen und Karten
t +43.316.81 60 70

www.steirischerbst.at
info@steirischerbst.at

steirischer herbst Kartenbüro
Sackstrasse 17
A 8010 Graz
Tgl. 10 – 18 Uhr
(24. 9. – 4. 11. 2001)
Mo – Fr 10 – 17 Uhr
(bis 21. 9. 2001)


Das Programmbuch des steirischen herbst 2001 (376 Seiten, ats 35,–) ist im Info- und Kartenbüro, an vielen Veranstaltungsorten und in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich. Kurzfristige Änderungen finden sich auf unserer ständig aktualisierten und ergänzten Website www.steirischerbst.at.


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Text vom 19. 9. 2001 © steirischer herbst

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