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> The Magic Hour > Zur Ausstellung


Wird Las Vegas, die Kapitale der westlichen Unterhaltungsindustrie, auch zur Hauptstadt der Kunst? Im historischen Moment, wo die Kunst die visionäre Kraft verliert, die sie immer beansprucht, weil die Kunst insgesamt sich den Formen der Unterhaltungsindustrie (vom Lifestyle bis zu Gameshows) annähert und in diesem Bestreben dieser sogar nachhinkt, wird Las Vegas in einer paradoxen Wendung auch zur Kapitale einer künftigen Kulturindustrie. Als neueste radikale Phase der Entwicklung ist die Errichtung des Museums "Guggenheim/Eremitage2 von Koolhaas zu betrachten: Die Inklusion von Kunst in den Entertainmentkomplex, was soviel bedeutet, dass die Kunst offensichtlich für die Unterhaltungsindustrie anschlussfähig geworden ist.
"The Magic Hour" ist eine Ausstellung, die die Unterhaltungsmetropole Las Vegas im amerikanischen Bundesstaat Nevada als Phänomen zwischen Realität und Fiktion und seine Wirkung auf die Kunst zeigt. Es ist dies die erste Museumsausstellung, die sich dieses Themas annimmt und versucht, die grundlegenden Aspekte zu analysieren, die zur Einzigartigkeit dieses Ortes beitragen. Nicht zufällig lebt heute eine große Anzahl von KünstlerInnen in Las Vegas. Seit dem 1972 erschienenen Buch von Venturi / Scott Brown / Izenour "Learning from Las Vegas" hat sich vieles verändert sowohl in der Kunstentwicklung, als
auch im gesellschaftlichen Leben allgemein. Unterhaltung scheint zu einem Fetisch geworden zu sein, zu einer Matrix für alle Lebensformen. Diese Ausstellung versucht auch zu ergründen, was man nun von Las Vegas gelernt hat und wie sich das gesellschaftlich ausgewirkt haben könnte. Der Bereich zwischen Kunst und reiner Unterhaltung, egal auf welchem Niveau, ist so fließend, dass man ihn kaum mehr orten kann. Die Ausstellung wird somit sowohl Teil eines Casinos als auch eines Museums sein. Im tatsächlichen Las Vegas verhält es sich nicht anders. Venedig ist dort in denselben Dimensionen mit denselben Materialien teilweise nachgebaut und dient als Hotel. Das Ressort und Casino "Bellagio" beherbergt eine Kunstsammlung mit Exponaten von El Greco bis Picasso, die beworben werden wie Frank Sinatra oder die Beach Boys.
Die beiden Eckpunkte in der Diskussion sind mit Venturi’s, Scott Brown’s and Izenour’s Buch "Learning from Las Vegas" auf der einen Seite und Dave Hickeys und Libby Lumpkins Lehrtätigkeit an der University of Nevada in Las Vegas auf der anderen Seite gegeben.
"Learning from Las Vegas" war theoretisch eine Schnittstelle zwischen Modernismus und Postmodernismus. Als der Theoretiker und Allrounder Dave Hickey und die Kunsthistorikerin Libby Lumpkin zu Beginn der 90er Jahre nach Las Vegas zogen, entwickelte sich eine neue Interessensebene innerhalb der Rezeption der "Vegas-Phänomenologie". Für Hickey funktioniert der "Strip" als Plattform für seine Kritik an der elitären und puristischen Wertestruktur innerhalb der Kunstwelt.
Außerdem brachte Hickey führende Künstler wie David Reed, Jim Iserman, Jim Shaw oder Jeffrey Vallance nach Las Vegas und zog durch seine Lehrtätigkeit viele junge Künstler dort hin. Libby Lumpkin ist mittlerweile in den Diensten des Casino Visionärs Steve Wynn als Kuratorin in der museumsähnlichen Galerie des Casino Hotels "Bellagio" tätig.
Selbstverständlich werden in "The Magic Hour" alle Sparten (bildende Kunst, Design, Architektur und Showbusiness) vertreten sein. Als Kurator für dieses Projekt steht mit dem aus London kommenden Alex Farquharson ein junger engagierter Theoretiker zur Verfügung, der sich seit langem intensiv mit der Situation beschäftigt. Auf allen gesellschaftlichen Ebenen breitet sich global ein Entertainment-Komplex aus, der auch die Kultur insgesamt erfasst. "Die Gesellschaft des Spektakels" (Guy Debord) ist Wirklichkeit geworden. Die Massen, die Politik, das Spektakel bilden eine Allianz. Sogar die Kultureinrichtungen peripherer Orte wie Graz werden von dieser mächtigen Allianz deformiert. Das Phänomen Las Vegas zeigt die Konvergenz von Entertainment-Komplex und Kultur-Industrie. Wenn im Zuge der Globalisierung die Konvergenz weltweit dominiert, kann am Beispiel Las Vegas die Zukunft der Kunst im globalen Entertainment-Komplex transparent gemacht werden. Las Vegas wirkt wie eine Lupe, die bereits mikroskopisch die künftigen Praktiken und Probleme der Kunst erahnbar macht.
In Zeiten des globalen Amusements geht die Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum den Dingen auf den Grund und beginnt bei den Wurzeln – "The Entertainment Capital of the World" – Las Vegas, Nevada.

Günther Holler-Schuster, Peter Weibel


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